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Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 12:05
von WinSoft
Im unsichtbaren infraroten Licht ab etwa 720 nm Wellenlänge (dunkelrot) erscheint die Umgebung nach Sperren des sichtbaren Lichts mit einem IR-Filter völlig anders als im sichtbaren Licht.

Enthält das Motiv viel Blattgrün, so erscheint es im Rücken- und Seitenlicht unwirklich weiß, wie eine Schneelandschaft. Denn Chlorophyll absorbiert Infrarot sehr stark, daher verbleibt vom Blattgrün fast nur noch weiß übrig. Dunst wird dabei sehr gut durchdrungen, und man erhält eine sehr klare, transparente und kontrastreiche Welt.

Infrarotaufnahmen sind mit vielen Kameras und deren Objektive möglich. Man benötigt hierzu ein auf das Filtergewinde passendes IR-Durchlassfilter. Als quasi Standard hat sich Hoya R72 herausgebildet, welches das sichtbare Licht ab etwa 720 nm zu 50% sperrt, Infrarot jedoch durchlässt. Auch B&W (Schneider-Kreuznach) und Heliopan bieten IR-Filter an.

Es werden auch dichtere IR-Filter jenseits 720 nm angeboten. Diese erhöhen den so genannten Wood-Effekt (Schneelandschaft) kaum, verlängern aber unnötig die Belichtungszeit.

Einige Kameras und deren Objektive erzeugen im IR einen Hotspot (heller zentraler Fleck). Dieser Fleck ist mit keiner Software vollständig zu beseitigen. Man sollte also vor Kauf eines IR-Filters testen, ob Kamera und Objektiv IR-tauglich sind. Andere Kameras besitzen vor dem Sensor ein sehr restriktives IR-Sperrfilter (z.B. die Lumix GH2), so dass bei aufgesetzten IR-Durchlassfilter im Sucher/Display fast nichts zu sehen ist. Da ist die GH1 wesentlich besser gerüstet und erlaubt trotz Filter ein gut sichtbares Sucherbild.

Da die allermeisten Objektive des Weltmarktes nicht für Infrarot gerechnet sind, besitzen sie im IR einen anderen Fokus als im sichtbaren Licht. Gegenüber dem Fokus im sichtbaren Licht muss manuell meist etwas näher fokussiert werden. Lediglich bis ins IR hinein korrigierte, sehr hochpreisige APO-Linsen (Leica-R) haben im IR den gleichen Fokus wie im sichtbaren Licht und müssen nicht verstellt werden.

Aber zur Beruhigung: Bei Autofokus wird die Fokusdifferenz automatisch berücksichtigt und im IR korrekt scharf gestellt (wenn der AF bei diesem schwachen Licht noch funktioniert...). Bei der GH1 funktioniert das.

Die eindrucksvollsten IR-Fotos erhält man bei strahlender Sonne im Rücken- und Seitenlicht und bei viel Blattgrün im Motiv. Im Gegenlicht ist der Effekt recht gering.

Eine ausführliche Seite mit viel Information in Englisch findet sich bei http://dpfwiw.com/ir.htm

Hier ein Beispiel im sichtbaren Licht ohne Filter und nach Grau konvertiert mit IR-Filter Hoya R72. Man beachte die hohe Transparenz der Landschaft trotz Dunst!

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 13:17
von Jenso
Man sollte deutlich hinzufügen, daß immer weniger Kameras heute IR-tauglich sind (meine letzte war eine Minolta Dynax 7D, DSLR); für die meisten aktuellen Knipskästen ist Infrarot damit leider keine (!) Option mehr…

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 13:25
von MissEla
Aus diesem Grund habe ich meine F828 behalten. Habe mich zwar noch nicht sooo viel mit IR-Fotografie beschäftigt, aber was nicht ist kann ja noch werden ;) .

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 14:02
von WinSoft
Ein paar weitere Beispiele im sichtbaren Licht und im unsichtbaren IR-Licht...

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 14:04
von WinSoft
Und noch zwei...

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 14:05
von WinSoft
Und noch zwei...

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 14:52
von snuesch
Hallo WinSoft, sehr schöne Vorstellung der IR-Fotografie und tolle Beispielbilder - Danke dafür!

Da bekomme ich richtig Lust, diese Technik auch einmal auszuprobieren.
Habe jetzt gelesen, dass die Aufnahmen wegen der langen Belichtungszeiten mit Stativ gemacht werden sollten? Ist das auch zutreffend, wenn der Hoya R72 verwendet wird?
Woran "erkenne" ich, dass meine FZ150 IR-tauglich ist? Und wenn ja, spielt der Autofokus und der automatische Weissabgleich da mit? Was muss ich da beachten?

Vielleicht kann hier ja jemand helfen oder einen Tipp geben?

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 15:16
von WinSoft
snuesch hat geschrieben:Hallo WinSoft, sehr schöne Vorstellung der IR-Fotografie und tolle Beispielbilder - Danke dafür!

Da bekomme ich richtig Lust, diese Technik auch einmal auszuprobieren.
Habe jetzt gelesen, dass die Aufnahmen wegen der langen Belichtungszeiten mit Stativ gemacht werden sollten? Ist das auch zutreffend, wenn der Hoya R72 verwendet wird?
Woran "erkenne" ich, dass meine FZ150 IR-tauglich ist? Und wenn ja, spielt der Autofokus und der automatische Weissabgleich da mit? Was muss ich da beachten?

Vielleicht kann hier ja jemand helfen oder einen Tipp geben?
Ob die FZ150 IR-tauglich ist, können Sie mit einer Infrarot-Fernbedienung eines Fernsehers probieren.
Aktivieren Sie die Fernbedienung in Richtung Ihres Fotoapparates. Wenn Sie die sendende Diode der Fernbedienung im Sucher/Display sehen können, dann ist die Kamera voraussichtlich IR-tauglich.

Da mit IR-Durchlassfilter recht lange Belichtungszeiten notwendig sind (bis zu 30 s), ist ein Stativ angeraten.
Draußen habe ich den manuellen Weißabgleich mit der ExpoDisc gemacht und erhalte dadurch besser durchgezeichnete IR-Fotos als mit dem AWB.
Wenn das interne IR-Sperrfilter nicht allzu rigoros alles IR total sperrt, sollte der AF bei strahlender Sonne noch genügend Licht zum Fokussieren erhalten.

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 15:23
von Binärius
Jenso hat geschrieben:...für die meisten aktuellen Knipskästen ist Infrarot damit leider keine (!) Option mehr…
Mag sein Jens... aber von der FZ18, FZ28 und FZ38 kann ich mit Sicherheit sagen dass sie Infrarottauglich sind.
Wird wohl auch für die FZ45 gelten.
Was die CMOS-Sensoren der anderen aus dieser Reihe betrifft, kann ich leider nichts dazu sagen.

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2012, 15:53
von snuesch
WinSoft hat geschrieben:....Ob die FZ150 IR-tauglich ist, können Sie mit einer Infrarot-Fernbedienung eines Fernsehers probieren.
Aktivieren Sie die Fernbedienung in Richtung Ihres Fotoapparates. Wenn Sie die sendende Diode der Fernbedienung im Sucher/Display sehen können, dann ist die Kamera voraussichtlich IR-tauglich...
Jepp, die FZ-150 hat den Fernbedienungstest bestanden - ist also ebenso IR-tauglich :mrgreen:

Ansonsten vielen Dank für die rasche und hilfreiche Antwort - fehlt mir also nur noch das Stativ (und der IR-Filter) zum Glück ;) Aber aufgrund der jahreszeitlich nicht so günstigen IR-Verhältnisse, wird das Vorhaben wohl eher auf das Frühjahr/den Sommer verschoben, aber sicher nicht aufgehoben :D ;)

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Mittwoch 18. Januar 2012, 18:36
von WinSoft
Hinweis:

Die Lumix DMC-GH2 ist für Infrarot praktisch nicht zu gebrauchen, weil sie mit den Hoya-Filtern R72 weder etwas "sieht", noch AF, noch ein manueller Weißabgleich möglich ist.

Die Lumix DMC-GH1 dagegen ist für Infrarot hervorragend geeignet!!! Sie "sieht" auch durch das Hoya Filter R72, AF-funktioniert und korrigiert automatisch des Fokus im IR. Manueller Weißabgleich (mit der ExpoDisc) funktioniert!
Es gibt keinen Hotspot mit den Lumix G-Objektiven DG Macro-Elmarit 2.8/45, 14-140 und 45-200.
Deshalb habe ich mir zusätzlich zur GH2 extra eine GH1 nur für IR gekauft.

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Freitag 3. Februar 2012, 19:17
von f_m_b
Hallo
ich hatte vor mit einer IR-Lampe in der Nacht Bilder von unserem Garten zu machen. Oder besser gesagt von den nächtlichen Besuchern...
Da ich weder Blitz noch Strahler verwenden wollte um die Tiere nicht allzu stark zu stören habe ich mir einen Infrarotstrahler mit mittlerer Leistung (gerade noch bezahlbar ;-)) zugelegt ...
Aber leider scheint die GH2 von sich aus den IR-Teil schon stark zu dämpfen... Denn im "Trockenversuch" im dunklen Zimmer nur mit IR-Strahler kommt leider nichts beim Kamerasensor an.

Was die Aussage von WinSoft nur unterstreicht.

Hat jemand etwas ähnliches mit einer GH1 oder ähnlicher Kamera probiert?
Oder kommt von so einem Strahler einfach zu wenig Licht an? Klar die Sonne hat da schon etwas mehr Leistung.

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Mittwoch 11. Juli 2012, 16:40
von Rugia
Hallo - Fotofreunde!

Dass die Lumix GH 2 für Infrarot ungeeignet ist, muss ich widersprechen. Die vier zuletzt eingetragenen Bilder sind mit dieser Kamera entstanden:
http://www.fotocommunity.de/pc/account/ ... /profile/1" onclick="window.open(this.href);return false;
Gruß, Klaus

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Donnerstag 19. Juli 2012, 22:48
von f_m_b
Hallo Klaus
danke für Deinen Beitrag. Schöne Bilder.

Bei vollem Tageslicht Belichtungszeiten von 2s-20s... Da kann ich natürlich mein Vorhaben IR-Nachtaufnahmen mit der "Funzel" zu machen vergessen.
Nichtsdestotrotz habe ich mir gerade einen 760nm IR-Filter bestellt.
Bin mal gespannt was ich damit zustandebekomme.

Re: Infrarotfotografie

Verfasst: Samstag 29. Dezember 2012, 14:12
von Ebeso
Hallo,
Das Thema INFRAROTFOTOGRAFIE wurde schon länger nicht mehr 'beackert', aber heute hab ich beim Aufräumen meinen Cokin P.007 ( 89B) Infrarotfilter gefunden und selbigen mal schnell vor das 1.7/mm Pancake gehalten. Kamera war auf Stativ und die Einstallungen waren: Blende 1.7, Automatik, ASA 800, Belichtungszeit 1/3 Sek. Das Bild im Sucher war zwar tiefrot, aber trotz heller Umgebung gut zu erkennen. Das Scharfstellen gelang vorzüglich schnell. Die Infrarotwirkung ist im Winter bei wenig frischem Blattgrün eher mager, aber ich wollte halt nur wissen ob es überhaupt geht. Anbei ein Beispiel - Bild 1 ist eine monochrome Bearbeitung - Bild zwei zeigt wie die Kamera (G 3) es sieht.