Künstlerische Freistellung

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Slayer
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Slayer » Freitag 8. März 2013, 09:55

Hallo zusammen,

finde ich ja gut, dass mein Bild zu einer Diskussion angeregt hat ;-)

In der Tat hatte ich mir vor dem Urlaub das 20mm Pancake zugelegt und war begeistert wie toll man damit freistellen kann und habe das dann auch wohl übertrieben ausprobiert.
Ich kann das auch gut verstehen, dass dir die inflationäre Verwendung der Tiefenunschärfe nicht gefällt. Auch ich muss zugeben, dass es mich manchmal nervt, da ich gerne mehr vom Hintergrund sehen würde (gerade bei Filmen).
Auf der anderen Seite habe ich schon viele sehr schöne Bilder mit toller Freistellung gesehen und wollte das auch einfach mal ausprobieren.
Ob man das hier nun unter Testbilder oder einem anderen Bereich einstellt finde ich dabei nicht so entscheidend. Konstuktive Kritik ist ja in allen Bereichen erwünscht.

Im Nachhinein hätte ich mir für das Bild auch schon ein wenig mehr Tiefenschärfe gewünscht. Zumindest so, dass die Koralle komplett scharf ist und man noch was vom Strand erahnen kann (soo scheiße sah der gar nicht aus ;-).

Nichts desto trotz fand ich das Bild durchaus hübsch, aber das ist ja wie so oft geschmackssache.
Viele Grüße,
Patrick


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mikesch0815
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von mikesch0815 » Freitag 8. März 2013, 10:10

Ich finde, das Freistellen ist ein Mittel um den Blick auf ein bestimmtes Objekt zu lenken. Bei manchen Fotos - damit mein ich jetzt kein spezielles hier in dem Lumix Forum - ist es vielleicht auch das einzige Mittel, was möglich ist. Bös gesagt: Wenn das Motiv langweilig ist, muß man den Hintergrund noch langweiliger machen, damit es wahrgenommen wird.
Andererseits sollen und können Fotos ja allein schon durch ungewöhnliche Perspektiven alltägliche Dinge im wahrsten Sinne des Wortes in einem neuen Licht erscheinen lassen. Und auch Freistellen ist nur ein Mittel zum Zweck. Oft ist es langweilig, weil durch das inflationäre Benutzen der Reiz verloren geht. Geht jedenfalls mir so, ich hab schon ein gewisses Interesse daran, daß auch Hintergründe ihren Reiz haben.

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emeise
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von emeise » Freitag 8. März 2013, 14:37

Dass jemand durch Freistellen glaubt angeben zu können , das will ich ich mir nicht vorstellen.

Könnte man sowieso noch nachträglich per Bildbearbeitung machen ( gibt richtig tolle Tools dazu ).


Aber eins ist auch richtig - Fotografie kennt auch lästige Modeerscheinungen und Trends ! ( HDR, SW, Color Key, 3D ... alles kriegt mal seinen Höhepunkt :mrgreen: )

Wer dem aktuellen Trend nachhechelt ist damit noch kein Künstler ( eher das Gegenteil )
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Horka » Freitag 8. März 2013, 17:52

Weil auch hier im Forum Fotoneulingen immer geraten wird: Kauf Dir ne 1,8, besser ne 1,4, dann kannste schön freistellen, habe ich meine vielen Fotobücher (Aufnahmen mit analog KB, neumodisch Vollformat) daraufhin durchgesehen. Meine Schätzung: 90 % der Bilder sind mit Blenden größer 4 gemacht, selbst Porträts haben moderaten Unschärfeverlauf.

Selektive Schärfe ist ein feines Stilmittel in der Fotografie (künstlerische Schärfe), aber oft gehts hier um l'art pour l'art oder: ich hab so eine feine Blende, dann muss ich sie auch nutzen und anderen sagen, was das für eine feine Blende ist. Wenn die Augen beim Porträt scharf sind, ist das gut. Ist die Nasenspitze auch scharf, ist es meist besser.

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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Tanz(fleder)maus » Freitag 8. März 2013, 18:04

Bei Filmen ist es mir noch nicht aufgefallen, dass es da neuerdings häufiger Unschärfe-Spielereien en masse gibt...
Viel nerviger finde ich den Trend der "stakkatoartigen" Schnitte, wo man kaum noch Zeit hat, etwas zu erkennen.
Leider hält diese Unsitte jetzt auch bei Dokus ein - früher kannte ich das nur von Musikvideos. Sowas stresst einfach. :evil:
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Bitte keine eigenen Bilder in meinen Threads einstellen, Danke!

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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Horka » Freitag 8. März 2013, 18:46

Ich denke, die jungen Leute lieben das und nur die Rentner -falsche Zielgruppe- stört es?!

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Lenno

Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Lenno » Freitag 8. März 2013, 19:17

Da fällt mir ein, wenn du den jungen Leuten erzählst das wir früher Spielfilme in voller Länge sehen konnten:

Wie, ohne Werbeunterbrechung? Wie geht das denn?

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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von mikesch0815 » Freitag 8. März 2013, 21:45

Tanz(fleder)maus hat geschrieben:Bei Filmen ist es mir noch nicht aufgefallen, dass es da neuerdings häufiger Unschärfe-Spielereien en masse gibt...
Viel nerviger finde ich den Trend der "stakkatoartigen" Schnitte, wo man kaum noch Zeit hat, etwas zu erkennen.
Leider hält diese Unsitte jetzt auch bei Dokus ein - früher kannte ich das nur von Musikvideos. Sowas stresst einfach. :evil:
Noch schlimmer find ich, wenn der Kameramann offenbar an Parkinson leidet. Dieses Verwackeln ist unerträglich!

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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von emeise » Samstag 9. März 2013, 12:31

Zur Veranschaulichung der Schärfentiefe gibt es von Tamron eine schöne Seite ( klasse gemacht ).

Mit dem oberen, linken Regler kann die Blende verändert und der Hintergrund abgeschätzt werden.
Der untere Regler verändert die Brennweite, was sich ebenfalls auf die Schärfentiefe auswirkt.

klick - Schärfentiefe



Mein persönliches Fazit : Freistellen ist keine Spielerei und keine bloße Angabe.
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Cristobal » Samstag 9. März 2013, 13:11

Hallo,

finde es sehr interessant, dass so ein Thema zur Diskussion kommt. Für mich ist die Frage sehr leicht zu beantworten. Ich mache meine Fotos immer so, dass sie mir gefallen. Unabhängig davon, was gerade "in" ist oder was irgendwelche Regeln aus irgendwelchen Fotobibeln gerade vorschreiben. Für mich geht es in der Fotografie vor Allem darum, dass man Spaß dabei hat. Manchmal macht man natürlich auch Fotos um zu zeigen "wie sah es da denn aus" etc. oder um einfach auch später noch Bilder von der Familie zu haben.
Ich glaube, dass sich zu viele an Vorbildern orientieren und dabei ihre eigenen Talente vergessen.
Beim Anschauen der Bilder im Forum ist gut zu beobachten, dass man nicht immer sagen kann "der oder die ist ein gute(r) Fotograf(in). Vielmehr haben etliche ihre Stärken, haben ein Auge für Personen oder Landschaften oder sind perfekt bei Makro usw.
Kurz gesagt, wenn Einige alles freistellen, man muss es nicht nachmachen, man muss es noch nicht einmal gut finden, Hauptsache dem Fotografen gefällt´s und er hatte Spaß daran.

Gruß Reinhard

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videoL
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von videoL » Samstag 9. März 2013, 13:45

@ Dieter: Der Link ist wirklich super. Danke

@ Reinhard: Ich stimme Dir da zu. Allerdings, einmal oder zweimal einem Modetrend zu folgen ist schon ok.
Bei meinen Videos ist es einfacher zu entscheiden. Ja und die Kamera speziell anders einstellen und dann ist das Motiv schon entwichen oder nein.
Für mich fast immer nein. Und über Schärfe / Unschärfe bei meinen Videos wurde hier im Forum auch noch nicht diskutiert.
Vielleicht ist man auch durch die Bewegung im Video von dem Schärfeverlauf abgelenkt.
Gruß Bild videowilli
Das Motiv, es kommt darauf an, wie man es sieht.
Ohne Kritik kann ich nicht besser werden.

Kamera = FZ 1000, LED Videoleuchte, Stative, DCR 150, Canon 500d, Kenko Pro1 +3 Dioptrin,3D Schlitten, Hoya Filter
Foto = PSE 10, FastStone
Video = Magix Pro X

Papillon
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Papillon » Mittwoch 13. März 2013, 08:49

Erst gestern habe ich in einer Zeitschrift folgendes Foto gesehen.
Drei hintereinander aufgestellte Gewürzschalen, in der ersten Pfefferkörner (scharf dargestellt), verschüttete Pfefferkörner vor der ersten Schale (zum Teil scharf, weiter vorne unscharf), farbige Gewürze in den hinteren Schalen (unscharf). Text sinngemäß: Scharfe Aufnahmen zeigen viele Details, das Spiel mit der Tiefenschärfe birgt jedoch viele Geheimnisse.
Kann mir jemand diese Geheimnisse erklären ?
Oder ist auch hier das das Spiel mit der Tiefenschärfe nur Mittel zum Selbstzweck (Technonanie).

ThomasT
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von ThomasT » Mittwoch 13. März 2013, 13:04

Ich seh diesen Hype auch.

Ich habe einige Photobücher aus den 1980ern. Zwar aus der DDR, aber das ist hoffentlich allgemeingültig.
Sicher wird dort die gestalterische Möglichkeit der geringen Tiefenschärfe erwähnt. Aber nur als eine Möglichkeit unter vielen.
Und oft eher als Nebenprodukt bei geringem Licht.

Heute ist der Freistellungs- und Bokeh-Fetischmus oft nur um sich mit seiner teueren Vollformat-Kamera und teueren Lichtstarken Optiken von den Billig-Knipsern abzusetzen.
Genauso wie die Amateure gerade den "Filmlook" entdecken, währen Profis wie Peter Jackson mit der 3D-Film-Technik gerade davon verabschieden.

Zählt doch mal eure Bilder, in denen geringe Tiefenschärfe bewusst, absichtlich eingesetzt wurde.
Bei mir ist der Anteil sehr gering. Im Gegenteil, mit ist beim µFT sogar lieber ich habe bei Blende 1.7 20mm mehr Tiefenschärfe als bei Vollformat 40mm und 1.7.

Zum Hervorheben des Vordergrundes habe ich momentan ein andere Stilmittel entdeckt: Weitwinkel. 12mm erstmal nur aber anderes wird kommen.
Damit bleibt der Hintergrund erkenntbar rückt aber eben genau da hin: in den Hintergrund. Optisch.
Lumix G3, GF3
Blackmagic Pocket Cinema Camera (super16 sensor, Cropfaktor 2.88 KB)
Panasonic 7-14, Laowa 7.5 mm, SLR Magic Hyperprime 12 mm, Panasonic 14-42, Sigma 19, Panasonic 20, Panasonic 45-150
Pentacon 29/f2.8, Pentacon 50/f1.8, Pentacon 135/f2.8

ThomasT
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von ThomasT » Mittwoch 13. März 2013, 13:07

Horka hat geschrieben:Ich denke, die jungen Leute lieben das
Denke ich nicht.

Sie sind es gewohnter, ja. Aber lieben?
Lumix G3, GF3
Blackmagic Pocket Cinema Camera (super16 sensor, Cropfaktor 2.88 KB)
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Re: Künstlerische Freistellung

Beitrag von Papillon » Mittwoch 13. März 2013, 16:27

ThomasT hat geschrieben:
Heute ist der Freistellungs- und Bokeh-Fetischmus oft nur um sich mit seiner teueren Vollformat-Kamera und teueren Lichtstarken Optiken von den Billig-Knipsern abzusetzen.
Genau das habe ich sagen wollen. Anstatt als MFT-Nutzer zu entgegnen, dass mir dafür den Vorteil der größeren Tiefenschärfe haben, führen sogar hier im Forum einige Lumixer die geringere Unschärfe (=Schärfe) bei der Gegenüberstellung von Vollformat-DSLR und MFT als Nachteil auf und versuchen verzweiflt hier gleichzuziehen.

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