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Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Sonntag 11. November 2012, 17:41
von ThomasT
Hallo,
ich möchte mal meine Gedanken zum "exposure to the right" vorstellen.
Zuerst drängt sich mit der Eindruck auf, dass alle Beispiele im Netz dafür im Grund nur Ausgleichen einer Unterbelichtung aufgrund von fehlerhafter Belichtungsmessung ist.
Prinzipiell ist die Idee ja vernünftig: das System so hoch aussteuern wie möglich um einen optimalen Signal-Rausch-Abstand zu bekommen. Aber digtitale Systeme darf man niemals übersteuern! Analoger Film und auch analoges Audio hat immer noch Headroom, selbst wenn da Verzerrung - oder im Falle des Films - verminderter Kontrast und Farbverschiebung auftritt.
Eher durch Zufall (erste Messung via Spot aufs Helle und dann explizit eine zweite Messung aufs Schiffsinnere) entstanden beide Bilder. Ich hatte nicht vor das zu demonstrieren. Passt aber gut.
Beide unterscheiden sich durch 2 Blendenstufen. Mit CameraRaw alle Regler auf 0 bzw. Neutralstellung.

- P1010364_org_dunkel_800.jpg (182.63 KiB) 2617 mal betrachtet

- P1010365_org_hell_800.jpg (199.02 KiB) 2617 mal betrachtet
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Sonntag 11. November 2012, 17:44
von ThomasT
Betrachten wir, was an Lichtern noch da ist. Dafür habe ich das Bild extrem dunkel gemacht.

- P1010364_extrem_800.jpg (138.93 KiB) 2615 mal betrachtet

- P1010365_extrem_800.jpg (106.49 KiB) 2615 mal betrachtet
Man sieht beim hellen Bild ist da nicht mehr viel. Nur noch grob das Haus als Silhouette.
Man kann dunkel machen wie man will. Es ist definitiv übersteuert.
Btw. Lumix G3.
P.S: bitte erst anworten wenn ich fertig bin. Kommen noch 2 oder 3 Postings!
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Sonntag 11. November 2012, 17:50
von ThomasT
Dann hab ich beide Bilder mit CameraRaw angelichen. Tiefen heller gemacht, Lichter abgedunkelt. Belichtung ausgeglichen.

- P1010364_rauschen.jpg (200.76 KiB) 2609 mal betrachtet

- P1010365_rauschen.jpg (146.96 KiB) 2609 mal betrachtet
Es ist deutlich: das ehemals dunklere Bild oben ist stärker verrauscht.
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Sonntag 11. November 2012, 17:56
von ThomasT
Also entrauschen wir ...
damit man es besser sieht, zoome ich in das Bild hinein.

- P1010364_2000zoom.jpg (160.04 KiB) 2607 mal betrachtet

- P1010365_2000zoom.jpg (213.24 KiB) 2607 mal betrachtet
Natürlich ist das ehemals dunklere immer noch minimal rauschiger. Aber nicht mehr so schlimm.
Besonders sichtbar bei dem Mann von der Crew im blauen T-Shirt,
Und alles andere als das Gesicht des Mannes noch viel weniger.
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Sonntag 11. November 2012, 18:03
von ThomasT
So und nun das Endresultat (verkleiner) mit jeweils etwas Bearbeitung in PS.

- P1010364_800.jpg (261.75 KiB) 2604 mal betrachtet

- P1010365_800.jpg (236.6 KiB) 2604 mal betrachtet
Man kann sich selber ein Bild machen. Ich finde das ehemals unterbelichtete deutlich besser. Sowohl in den Lichtern als auch im Schatten Zeichnung und Details.
Das hellere rauscht zwar weniger, aber dieser Vorteil kann durch aggressivere Entrauschen signifikant verringert werden. Geg. auch über Masken in Teilen unterschiedlich stark.
Zudem leidet das konkrete hellere Bild schon an Bewegungsunschärfe.
Also was nun? Exposure to the right? Wirklich?
Ich bin gegenteiliger Meinung. Zumindest solange der Headroom nach oben so gering ist.
So, Diskussion bitte!

Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Montag 12. November 2012, 12:55
von ahinterl
Hallo ThomasT,
dein Motiv weist zwei Helligkeitsbereiche auf, die extrem voneinander abweichen:
- Das offene Tor im Hintergrund
- Das Innere des Raumes
Die Abweichung der Helligkeiten ist so extrem, dass der Dynamikbereich aktueller Digitalkameras nicht ausreicht, um beide gleichzeitig richtig zu belichten. Damit bleibt dir nichts anderes übrig, als:
- Einen Kompromiss einzugehen und
- entweder den hellen oder den dunklen Bereich richtig zu belichten mit dem Nachteil, dass der jeweils andere Bereich dann falsch belichtet ist
- oder "die goldene Mitte" zu wählen und beide Bereiche so gut es geht belichten; keiner ist dann freilich wirklich richtig belichtet
- Oder ein HDR-Bild zu erstellen, damit sind alle Bereiche richtig belichtet; weil die Szene allerdings bewegt ist, eignet sich HDR nicht; falls du doch HDR machen willst, wird das mit deinem Beispiel zu einer ziemlichen Herausforderung
"Expose to the Right" ist meiner Meinung dann ein Thema, wenn du dich für zwei Dinge entschieden hast:
- kein HDR
- den wichtigen Bildbereich
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Montag 12. November 2012, 13:31
von ThomasT
Ich schätze mal 90% aller Motive übersteigen den Dynamikumfang von Digicams.
Auch den von Film respektive Fotopapier. Aber während man im analogen Zeitalter mit schwarzen Schatten oder bleichen Lichtern leben musste, kann man mit digitaler Bildbearbeitung noch was "herausholen". Viel viel besser als früher mit Ausgleichsentwicklung angestrebt wurde. Und dazu braucht man halt Informationen. Diese sind bei Digicams halt nach oben hart beschränkt während unten noch etwas Luft ist weil es allmählich im Rauschen versinkt anstatt hart schwarz zu werden. Man hat nach unten also den Kompromiss mit dem Rauschen, nach oben jedoch gar keine Wahl.
Ich sage ja, so hoch wie möglich aussteuern, also so stark belichten wie möglich! Jedoch merke ich an, dass das eben nicht so hoch ist. Und exposure to the right eben oft ein Clipping der Lichter wird. Zumal die Histogramme das nicht wirklich zeigen.
Oder anders formuliert: ich halte Rauschen für das geringere Übel zu geclippten Lichtern.
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Montag 12. November 2012, 13:40
von Lenno
Nur auf die Frage eingehend ob nach rechts oder links,
da bin ich für rechts, da die Helligkeitsverteilung nicht in gleichmäßigen Abständen erfolgt, sondern die meisten Informationen sich auf der rechten Seite des Histogramms befinden, im linken Teil des Histogramms sind die Abstufungen viel geringer und bieten die wenigsten Bildinformationen.
Was ganz anderes ist die Bildwirkung, und da gebe ich dir recht, da gefällt mir ein wenig rauschen auch besser als geclippte Lichter zu haben,
kommt aber immer auf das Motiv darauf an, manchmal stören auch geclippte Lichter nicht.
Expose to the right vor allem bei Raw, bei JPG nicht unbedingt, bzw. nicht ganz so stark.
Ich würde auf jeden Fall auch nicht unbedingt mit aller Gewalt den Histogrammberg nach rechts drücken wollen,
man sollte schon im Blick haben, wieviel Blenden man nach rechts schiebt, also überbelichtet. Mehr als zwei Blenden würde ich nicht.(bei Raw)
Lieber mal klein Anfangen und nur ein drittel oder zwei drittel Blende überbelichten, um mehr Bildinformationen aus dem rechten Teil des Histogramms herauszuholen, das bringt ja auch schon was.
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Montag 12. November 2012, 15:50
von ThomasT
Lenno hat geschrieben:Nur auf die Frage eingehend ob nach rechts oder links,
da bin ich für rechts, da die Helligkeitsverteilung nicht in gleichmäßigen Abständen erfolgt, sondern die meisten Informationen sich auf der rechten Seite des Histogramms befinden, im linken Teil des Histogramms sind die Abstufungen viel geringer und bieten die wenigsten Bildinformationen.
Das stimmt meines Erachtens nicht.
Die Sensoren arbeiten linear. D.h. deren Werte sind proportional zur Belichung und nicht proportional zum Logarithmus der Belichtung!
Auch das Wiedergabegerät, der Bildschirm, ist in der Helligkeit proportional zu diesen Werten. D.h. das ganze System ist linear, wenn man mal Feinheiten wie Gamma aussen vor lässt.
Richtig ist zwar dass aufgrund unserer logarithmischen Wahrnehmung im Hellen mehr Abstufungen sind als nötig wären (im Gegensatz z.B. bei den 10 bit logarithmischen Cineon-Daten beim Filmscan)
aber eben nicht mehr! Die Anzahl der Abstufungen ist grob gleich.
Lenno hat geschrieben:
Mehr als zwei Blenden würde ich nicht.(bei Raw)
Lieber mal klein Anfangen und nur ein drittel oder zwei drittel Blende überbelichten, um mehr Bildinformationen aus dem rechten Teil des Histogramms herauszuholen, das bringt ja auch schon was.
Beispiele wären hier vom Vorteil.
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Montag 12. November 2012, 16:14
von Lenno
Da geh ich jetzt nicht mehr näheres darauf ein, da wir schon ein paar mal diese Diskussion hatten ...
http://lumix-forum.de/viewtopic.php?f=2 ... ght#p46948
http://lumix-forum.de/viewtopic.php?f=3 ... ght#p84867
Aber hier ist das ganz gut erklärt, da siehst du wenn du etwas runterscrollst die Helligkeitsverteilung in einer Darstellung.
http://www.traumflieger.de/desktop/raw/raw_start.php
Re: Exposure to the right? Oder doch to the left?
Verfasst: Montag 12. November 2012, 16:40
von ahinterl
ThomasT hat geschrieben:Ich schätze mal 90% aller Motive übersteigen den Dynamikumfang von Digicams.
Da gebe ich dir Recht. Wichtig ist deshalb, zu entscheiden, ob Lichter oder Schatten wichtiger sind, und das dann entsprechend richtig zu belichten.
ThomasT hat geschrieben:Aber während man im analogen Zeitalter mit schwarzen Schatten oder bleichen Lichtern leben musste, kann man mit digitaler Bildbearbeitung noch was "herausholen". Viel viel besser als früher mit Ausgleichsentwicklung angestrebt wurde. Und dazu braucht man halt Informationen. Diese sind bei Digicams halt nach oben hart beschränkt während unten noch etwas Luft ist weil es allmählich im Rauschen versinkt anstatt hart schwarz zu werden. Man hat nach unten also den Kompromiss mit dem Rauschen, nach oben jedoch gar keine Wahl.
ThomasT hat geschrieben:Die Sensoren arbeiten linear. D.h. deren Werte sind proportional zur Belichung und nicht proportional zum Logarithmus der Belichtung!
Auch das Wiedergabegerät, der Bildschirm, ist in der Helligkeit proportional zu diesen Werten. D.h. das ganze System ist linear, wenn man mal Feinheiten wie Gamma aussen vor lässt.
Richtig ist zwar dass aufgrund unserer logarithmischen Wahrnehmung im Hellen mehr Abstufungen sind als nötig wären (im Gegensatz z.B. bei den 10 bit logarithmischen Cineon-Daten beim Filmscan)
aber eben nicht mehr! Die Anzahl der Abstufungen ist grob gleich.
Mit der Linearität hast du prinzipiell Recht, bei Kamerasensoren musst du aber den Effekt der Blende mit einberechnen. Zitat aus der Wikipedia:
- Although a camera may have a dynamic range of 5 or more stops, when image data is recorded digitally the highest (brightest) stop uses fully half of the discrete tonal values. This is because a difference of 1 stop represents a doubling or halving of exposure. The next highest stop uses half of the remaining values, the next uses half of what is left and so on, such that the lowest stop uses only a small fraction of the tonal values available.
Es ergibt sich in der Praxis also sehr wohl eine nichtlineare Kurve. Daher auch "Expose to the Right" (ETTR) und nicht "to the Left"

. Die Gültigkeit dieser Tatsache lässt sich sehr leicht selbst nachprüfen, verwende mal die Suchfunktion des Forums. Es ist hier schon einige Male anschaulich bewiesen worden, dass sich ETTR sehr positiv auf das Rauschen auswirkt.
ThomasT hat geschrieben:Oder anders formuliert: ich halte Rauschen für das geringere Übel zu geclippten Lichtern.
Rauschen kannst du nicht mit highlight clipping vergleichen. Geclippte Schatten sind genauso übel wie geclippte Lichter, weil die Information einfach weg ist. Wo nix is, kommt nix mehr her, wie der Experte zu sagen pflegt.
Ich denke, die Grundfrage, die du dir stellen solltest, ist: Was ist mir wichtiger, die hellen oder die dunklen Portionen im Bild? Alles gleichzeitig richtig belichtet zu bekommen und das dann auch noch irgendwo anschauen zu können ist derzeit nunmal nicht möglich. Die HDR-Technik ist lediglich ein Hilfsmittel, um diese Problematik einigermaßen zu mildern, eignet sich allerdings fast ausschließlich für statische Szenen.
Die Technik, die du beschreibst (Information aus den dunklen Bereichen rausholen und deshalb unterbelichten), ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Besser ist überbelichten (ETTR, s.o.), aber auch diese Methode hat enge Grenzen.