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Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 19:25
von Biggi 61
Ich habe etwas in dem Buch von
Feiningers kleine Fotolehre von 1982 gelesen (hatte ich noch im Bücherschrank) und möchte euch fragen, ob ich es richtig verstanden habe.
Es geht um das Beispiel von der Lokomotive.
Bedeutet es, dass ich in dem Fall die Kamera etwas nach links oder rechts kippen muss?
Oder anders herum gefragt: Ich habe mich gefreut, dass die G5 eine Wasserwaage hat, weil ich einen "Rechtsdrall" habe und durch die Wasserwaage endlich gerade Bilder bekomme. Und jetzt steht da, dass das, was ich korrigieren will richtig ist, wenn ich eine Lok, die um die Kurve kommt, fotografieren möchte. Gut, wann kommt es mal vor, dass ich an den Bahnschienen stehe und eine Lok fotografieren möchte, aber ganz ausschließen möchte ich es nicht. Es ist nur so, dass ich das Gefühl habe, dass ich bei den Worten "leichte seitliche Kameraneigung" etwas falsch verstehe. Deshalb wollte ich mal die Fachleute fragen.
In dem Buch wird über die analoge Fotografie geschrieben. Aber wenn es um Motivsuche bzw. Umsetzung geht, können doch keine großen Unterschiede vorhanden sein. Und sonst ist es ganz witzig zu lesen.
Viele Grüße
Brigitte
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 19:34
von Björn
Das beschreibt lediglich eine Gestaltungsmöglichkeit, um einem Bild mehr Dynamik zu verleihen. Das ist kein MUSS, das ist ein KANN!

Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 19:40
von ChristinaM
Ha ha und ich dachte ich bin alleine mit meinem Problem, dass ich dauernd schiefe Bilder habe (hatte, bei der FZ 200 hab ich jetzt immer das Gitterkreuz an, eine Wasserwaage hat sie leider nicht).
Ich versteh den Artikel auch so wie Du. Durch die gekippte Kamera entsteht dann die Dynamik, die man bei Autorennen z.B. in der Steilkurve in Indianapolis hat. Da fahren die Autos ja wirklich schräg, und sehen viel dynamischer aus als ein Rennwagen auf waagerechter Strecke. Hier ist z.B. ein Formel-1-Bild mit gerader Strecke und gekippter Kamera:
http://ticker.mercedes-benz-passion.com ... t_view.jpg" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 19:44
von wozim
Feiningers Bildgestaltung ist schon faszinierend.
Wenn man seine Bücher genau liest, merkt man sehr schnell, das seine Beschreibungen Vorschläge und Möglichkeiten sind.
Er macht daraus keine Dogmen sondern Anregungen.
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 19:56
von Biggi 61
@Christina: Dein Bild ist toll und wohl so fotografiert, wie Feininger es beschrieben hat.
@Björn: Es ist klar, dass er mich nicht zwingen kann. Aber ich war immer wieder am überlegen, ob ich es richtig verstanden habe. Durch Christinas Bild hat es jetzt "klick" gemacht.
@Wolfgang: Deshalb hat das Lesen auch wirklich Spaß gemacht und ich konnte es als "Gute Nacht Geschichte" lesen. Also ohne die Kamera griffbereit zu habe.
Jetzt brauche ich nur noch ein F1 Wagen oder eine Lok zum ausprobieren.
Vielen Dank
Brigitte
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 08:29
von Horka
Es ist heute in, Fotos schräg zu fotografieren (oder nachträglich schräg auszuschneiden), um Dynamik zu erzeugen. Feininger war einer der Vorreiter, aber moderater als heute. Das ist natürlich motivabhängig (bei meinen schiefen Horizonten passt es nicht) und muss deutlich geschehen, damit es nicht nach Fehler aussieht.
Horka
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 08:52
von Binärius
Mit dem schiefen Horizont ist es so wie mit den stürzenden Linien bei Architekturaufnahmen,
es muss nicht
immer alles gerade sein.

Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 08:58
von ChristinaM
@@Brigitte: Ich habs aber nur ergoogelt, nicht selbst gemacht. Hätte ich aber gerne..

Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 09:01
von mikesch0815
Binärius hat geschrieben:Mit dem schiefen Horizont ist es so wie mit den stürzenden Linien bei Architekturaufnahmen,
es muss nicht
immer alles gerade sein.

Es muß auch nicht alles immer nach dem goldenen Schnitt (oder 2/3 Regel) fotographiert werden. Gerade Linien oder Horizonte machen schon ihren Sinn, aber sie machen kein gutes Foto aus. Es kommt eben immer darauf an, was man fotographiert.
Ein Segelschiff auf einem schiefen Meer erzeugt keine Dynamik, sondern Ängste...
so weit
Maico
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 09:49
von winterhexe
ich selber finde, es gibt keine allgemeingültigen regeln... und man sollte mutig genug sein, sie zu brechen... denn immer ist es ganz persönliche geschmackssache, wie man etwas aufnimmt..
ich selber mache keine bilder, damit sie anderen gefallen... in erster linie sollen sie MIR gefallen... wenn sie dann natürlich auch noch anderen gefallen, gefällt mir das auch.. soviel zu gefallen....

ich merke.. ich bin ein gefallenes weib
und bevor ich noch weiter falle und in unsinn verfalle... höre ich lieber auf...
verzeihung

Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 20:25
von Biggi 61
winterhexe hat geschrieben:ich selber finde, es gibt keine allgemeingültigen regeln... und man sollte mutig genug sein, sie zu brechen... denn immer ist es ganz persönliche geschmackssache, wie man etwas aufnimmt..

Da hast du vollkommen Recht. Aber erst muss man (ich zumindest) sich einen Grundstock erarbeiten und dann mit dem erlernten Wissen was Neues ausprobieren.
Da ich jetzt immer die Kamera mit dem Gedanken "bloß gerade halten" vor dem Auge habe, wurde ich unsicher, ob ich das, was ich dort gelesen habe auch richtig verstanden habe. Weil es in dem Fall mit der Lok genau das Gegenteil von dem ist, was ich gerade versuche zu ändern.
Viele Grüße
Brigitte
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 20:45
von jackyo
wozim hat geschrieben:Feiningers Bildgestaltung ist schon faszinierend.
Wenn man seine Bücher genau liest, merkt man sehr schnell, das seine Beschreibungen Vorschläge und Möglichkeiten sind.
Er macht daraus keine Dogmen sondern Anregungen.
Hi Wolfgang
Ich habe mich mal per Internet über seine Bücher informiert. Ich denke aber mal dass ist denn halt schon Fotoliteratur für etwas Fortgeschrittene. Oder wie siehst Du das so?
Grüsse
Jackyo
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 21:03
von winterhexe
Biggi 61 hat geschrieben:
Da ich jetzt immer die Kamera mit dem Gedanken "bloß gerade halten" vor dem Auge habe, wurde ich unsicher, ob ich das, was ich dort gelesen habe auch richtig verstanden habe. Weil es in dem Fall mit der Lok genau das Gegenteil von dem ist, was ich gerade versuche zu ändern.
Viele Grüße
Brigitte
liebe biggi.. wenn du nun verunsichert bist... (was ich verstehen kann) ... dann mach es doch enfach so: du machst immer zwei versionen eines motivs... eines geradegehalten und eines schräg... und dann zeigst du uns diese und dann erhältst du ja reaktionen darauf, welche besser wirken... gell ??

Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 21:15
von Biggi 61
winterhexe hat geschrieben:
liebe biggi.. wenn du nun verunsichert bist... (was ich verstehen kann) ... dann mach es doch enfach so: du machst immer zwei versionen eines motivs... eines geradegehalten und eines schräg... und dann zeigst du uns diese und dann erhältst du ja reaktionen darauf, welche besser wirken... gell ??

Danke
werde ich machen!
Jetzt habe ich es kapiert, was er mir (bzw. seinen Lesern) sagen will.
Re: Frage zu: Das Geheimnis der guten Fotografie
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 23:19
von Horka
jackyo hat geschrieben:
Ich habe mich mal per Internet über seine Bücher informiert. Ich denke aber mal dass ist denn halt schon Fotoliteratur für etwas Fortgeschrittene. Oder wie siehst Du das so?
Ich antworte mal vorwitzig, weil ich ein Feininger-Anhänger bin.
Seine Bilder sind an die 50 Jahre alt, da fing die Farbfotografie an, es gab keine Automatiken, keine Digitalkameras, schlechtes Papier und die Bilder waren aus drucktechnischen Gründen vom Text getrennt. Feininger hat für Anfänger und Fortgeschrittene geschrieben, aber wer so etwas las, machte das nicht in der Mittagspause, es musste erarbeitet werden.
Feiningers Hauptaugenmerk lag auf der Bildgestaltung, der Komposition, dem Einfluss des Lichts, der Beleuchtung, der Form u. ä . Man findet alle Erläuterungen und Hinweise, von denen der Anfänger genau so lernen kann wie der Fortgeschrittene.
Trotzdem sind moderne Bücher für Anfänger besser geeignet, weil sie sich leichter lesen und mehr Fotos das Beschrieben illustrieren. Ich glaube, dass viele heutige Buchautoren das von Feininger Gelernte mit heutigen Mitteln weitergeben.
Man muss heute nicht Brehm lesen, wenn man etwas über das Tierleben wissen will, aber man kann immer noch von ihm lernen.
Horka