Meine Story:
Als Kind durfe ich mal mit der Balkenkamera aus den 1950ern meines Vater (unscharfe Bilder) knipsen. Meine Mutter hatte ein kleine Kompakte (mit SL-Kasetten) 24 mm x 24 mm. Beide immer nur so 12 bzw. 20 Bilder. Da durfte man mal ein Bild machen und Farbe hat man sich nicht nur aus Kostengründen verweigert ("da braucht man eine gute Spiegelreflex dafür").
Beim Urlaub mit meinen Großeltern, da war ich in der 4. Klasse, durfte ich die Kompaktkamera meines Opas benutzen und knipsen. Da konnte man schon Belichtungszeiten und Blende einstellen, obwohl immer noch zusätzlich mit Wolken und Sonnensymbolen beschriften. Andererseits damals habe ich mich danach gerichtet. Filme hat er bezahlt. Blöd, dass mehr als die Hälfte der Bilder nichts wurde weil ich mir am Kiosk NP15 hab andrehen lassen. Seitdem weiss ich was DIN ist ...
Die Kamera durfte ich dann behalten.
Damit habe ich dann vorallem im Urlaub photographiert. Meine Eltern hatten früher immer nur Personen geknipst und jetzt regten sie sich auf, dass auf den Urlaubsbilder nur Landschaft, Mühlen, Häuser etc. waren ... Nachdem ich auf Farbfilm bestanden habe und die Bilder super wurden war auch Voruteil 1 gegessen.
Mein Nachbar hat selbst entwickelt und da durfte ich schon als Kind zugucken. Vorurteil 2 war, selbstentwickelt ja, aber keine Urlaubsbilder.
In der 6. Klasse wurde eine AG Foto in der Schule angeboten. Ich machte mit und kaufte dann auch ziemlich schnell Entwicklerdose und Schalen. Die ersten Vergrößerungen machte ich mit einem Diaprojektor!
Meine Schulfreundin, auch in der AG hatte auf dem Boden einen Vergrößerer und uraltes Photopapier. Das wurde natürlich genutzt. Aber wurde mir zu blöd. Zu Weihnachten bekam ich dann einen Axomat 4a (ich war beim Kauf dabei, denn meine Eltern hatten keinen Plan).
Die Waschküche wurde zur Dunkelkammer. Ausser wenn Mutti Wäsche waschen wollte (nerv). Als wesentlich Erfahrung aus dieser Zeit war, dass Entwickler gut den Strom leitet. Man sollte keine uralte vergammelte (durch Entwickler noch mehr korrodiert) Nachttischlampe mit roter Birne als Beleuchtung haben, das nasse Photopapier halb auf dem metallenen Lampenständer halb in der Schale liegen haben und in die Brühe fassen. Aua!
Ziemlich schnell bekam ich Lust auf Farbe. Schwarz-Weiss war mir immer schon zu öde. Aber da in der DDR spotbillig trotzdem massenhaft von mir verarbeitet. Oft hab ich von Farbfilmen auch die SW-Vergrößerungen gemacht. Das war Hobby-Photograph.-Vorurteil 3: Farbe ist zu kompliziert, zu teuer und erst recht für dich mit deinen 12 Jahren. Gut, Photobücher gekauft (die kleinen billigen heftartigen), Entwicklersatz C5168 gekauft, 3 Filme NC21. Und erstmal ein Film sinnlos im Garten verschossen. Entwickelt: super Ergebnis.
Vergößerungen stellten sich als schwierig heraus. Additives Verfahren kam nicht in Frage (btw. ein Grund für das Vorurteil), subtraktive Filtersätze waren nicht zu bekommen, Wunsch nach Farbmischkopf wurde nicht erfüllt, da ich erst meine Spiegelreflexkamera Exa1c bekommen hatte. Obwohl, die hatte ich selbst bezahlt glaub ich. Den Prismensucher gabs zu Weihnachten.
Irgendwann auf Klassenfahrt - wo grundsätzlich alle Photoläden besucht wurden, wir waren ja in der Klasse 3-4 Photographen - ergatterte ich einen. Am nächsten Tag gleich entwickelt. Das Bild habe ich heute noch. Dann mit dem Problem Farbaussteuerung herumgeschlagen. Wohlgemerkt ein Versuch dauerte 20 min. (man machte natürlich gleich Varianten) Später konnte ich Farbstiche dann direkt ziemlich gut schätzen. 20 Gelb, 15 Magenta. Das kommt mir heute noch zugute. Ich zähle es der Zeit an, dass ich auch heute noch Farbtemperaturen in Grenzen absolut sehen kann. Meine Augen machen keine Farbadaption. Die Tischdecke bei Glühlampenlicht ist bei mir Gelb und bei Energiesparlampen ekelig grüngelb.
Problem beim Farbentwickeln waren damals: Beschaffung der Materialien (Papier, Entwicklersätze) und Formaldehyd. Letzteres gabs vom Chemielehrer.
Und selbstredend wurden auch gleich die farbigen Urlaubsfilme von 1986 selbst entwickelt und vergrößert. (Vorteil 2 weg)
Mein Fotolabor (damals schrieb ich das noch mit F) zog dann in das Zimmer neben meinem Zimmer, was dazu führte, dass ich ab und an in Formalindämpfen schlief ... SW habe ich immer im Bad in der Badewann gewässert und dann dort getrocknet. Farbe durfte ich nicht.
Taschengeld bekam ich von meinen Eltern nie. Und ich wollte keins! Sie fragten mich. Ich lehnte ab. Ich wusste was ich im Monat an Farbmaterialien verarbeitete ... meine Eltern nicht so.
Zusätzliche Geld kam rein durch Photographieren bei Feierlichkeiten und verkaufen der Bilder (was haben die vom Klassentreffen meines Vaters gestaunt, dass sie noch am selben Abend die Bilder bekamen), Entwickeln für andere und Vergrößern von Bravo-Stars und Softpornos. (Dialog mit meiner Mutter, ich war 13: "Was hast du denn da für Bilder?" "Na das sind die von deinem Arbeiteskollegen." "Na dann ist ja gut.") Die waren btw. in der DDR verboten und ich war der einzige Amateur, der Farbe entwickelt. War lustig auf dem Schulhof, wenn die 10.Klässler angeben wollten "Wollt ich mal geile Bilder sehen!" und ich dann "Rat mal wer die entwickelt hat ..."
Objektive bekam ich zu Weihnachten und Geburtstag.
Mit der Wende 1990 fiel dann die Entwicklung von Filmen flach, da überall innerhalb einer Stunde entwickelt. C41 habe ich aber dennoch mal mit einem Tetenalsatz verarbeit, weil sich der Westbesuch nach meinen Geschimpfe über die Drecks-DDR erbarmt hatte.
(ich hab erst nach der Wende erfahren, wie viel die dafür bezahlen mussten)
Orwo in C41 war grenzwertig. Aber da ich zwei Agfafilme mitbekam die noch dazu einen Schleier vom Röntgen hatten und wesentlich(!) bessere Farben ergaben, wusste ich dann dass der Orwo NC21 der letzte Dreck war. Das Schlimme: es gab nur den!
Farbdias hab ich mal aus Spass entwickelt. Zweitbelichtung an der Haustür ...
Vergößerungen habe ich nur noch Spezialsachen gemacht: Bilder für meine Schülerzeitung (ne Mischung aus Titanic, Bild und Bunte) die sehr flau sei mussten, damit es nach dem Kopierer gut aussieht, Cover für die ersten Demos meiner Band.
Im nachhinein ärger ich mich, dass ich die wirklich coolen Sachen wie Bleichbadüberbrückung nicht gemacht habe, obwohl ich einiges probierte. Wie auch Umkehrentwicklung von Farbpapier. (erfolglos)
Dann hatten wir an der Uni "Fotografische Gestaltung". U.a. diese üblichen Photogramme (BH kommt für sowas gut!) und SW-Bilder selbstentwickelt. Ich hatte keinen Bock auf Uni-Labor und hab daheim nochmal alles im Bad aufgebaut. Das war so 1996.
Da hatte sich meine Freundin die Yashica gekauft, die dann praktisch meine wurde
Im Praktikum hatte ich dann ein Verfahren untersucht und die Sorftware geschrieben einen normalen Filmabtaster (URSA Gold) durch patching dazu zu bringen HD abzutasten. Dort arbeitete ich das erste mal mit Photoshop. In der Studienarbeit ging es um Colorkeying. Und im Diplom über Farbübersprechen und Korrektur von ausbelichteten Negativen für den ARRI-Laser.
Ich schrieb einen eigenen Raytracer privat und war eher Bildverarbeiter und Photoshoppler als hinter der Linse.
Die Yashica war dann immer zu groß. Später die Bilder nicht mehr zeitgemäß (1600er Filme sind halt nicht so dolle).
Nach 2 digitalen Kompakten hat es mir gereicht (O-Ton Arbeitskollege: "Deine Bilder sind ja wirklich toll, vom Motiv her und so, aber die Bildqualität ist nicht so doll" - und die hatte ich schon intensiv bearbeitet. Photoshop kann ich ...)
Aber ich habe mehr als 1 Jahr gebraucht um dann auf µFT zu stoßen. Die G3 kaufte ich dann als die G5 herauskam und die G3 billiger wurde. Ich wollte keinen Spiegelreflexklopper mehr. Ich wollte auch keinen Kompaktmist wo nur Jpegs rausfallen.
Der Rest ist Geschichte.
Zwei Filme hab ich auch gemacht. Einmal für besagte Schülerzeitung in der 12. Klasse mit einer Sony Video8 und Sony-Recorder zum schneiden und an der Uni mit einer EB-Kamera auf Betacam SP.
Asonsten fand ich Video immer scheisse. Ich hab dann scon 1995 in Praktikum HD, 2k und gar 4k Bilder gesehen, später auch originale Filmkameranegative durch den kleineren Projektor gejagt. Das waren Bilder. Video war Dreck.
Momentan ändert sich das gerade und ich filme HD Auflösung und in Raw (13 Blenden Dynamik). Macht Spass endlich Video so bearbeiten zu können wie bislang nur Standphotos.
Btw. das Video ist gerendert. Zeit Schluss zu machen.
Ganz schön lang geworden.
Aber wie man sieht: ich war immer primär eher der Techniker und die künstlerische Seite diente dazu, den Techniker mit gutem Material zu versorgen ...