Expose to the Right
Verfasst: Freitag 2. Mai 2014, 10:09
Mit der "richtigen Belichtung" habe ich seit jeher schwer zu kämpfen. Seit langem schon praktiziere ich "Expose To The Right" (ETTR), beginne aber mittlerweile, an der praktischen Brauchbakeit ernsthaft zu zweifeln...
Ich arbeite ausschließlich mir RAWs, meine Erfahrungen mit ETTR hinsichtlich Rauschunterdrückung sind durchwegs gut: Selbst moderate Verschiebungen der Belichtung um +1/3 EV bringen bei mir in manchen Situationen eine bereits deutliche Reduzierung des Rauschens. In etlichen Fällen ist es für mich möglich, die Belichtung um +2 EV oder sogar mehr zu verschieben, ohne dass das geringste highlight clipping auftreten würde.
Ein Hauptproblem mit ETTR ist für mich die beschränkte Dynamik der Kamerasensoren, die vielfach wenig Spielraum lässt: Oft ist das Histogramm bereits bei der von der Kamera gewählten "korrekten Belichtung" sowohl links als auch rechts beschnitten, eine Verschiebung der Belichtung gestaltet sich dann außerordentlich schwierig (ausgenommen, man will einen bestimmten Bildteil absichtlich aufhellen und nimmt das vollständige clipping größerer Portionen im Bild gewollt in Kauf). Weil keine Kamera die entsprechenden Werkzeuge mitbringt, um ausreichend genaue Einstellungen der Belichtung vornehmen zu können (alles auf RAW-Daten basieren sowie "Zebras" für clippings), ist die Belichtungswahl ein eher problematisches Unterfangen, noch dazu, wenn als unangenemer Nebeneffekt die Kamerasensoren in den dünkleren Bildbereichen immer weniger Tonwerte unterscheiden können und damit das Histogramm möglichst weit in die rechte, hellere Hälfte geschoben werden sollte... Bewegtbilder mit starkem Kontrast sind eigentlich unmöglich "korrekt" fotografierbar, wenn es kein dominantes Bildelement geben soll - das lässt mich schon des Öfteren resignieren...
Aufgrund dieser Umstände mache ich das in der Praxis meist so, dass ich etliche Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen anfertige. Dank dieser Vorgehensweise fällt mir in letzter Zeit vermehrt auf, dass "überbelichtete" Fotos fallweise Farbverschiebungen aufweisen, die sich nicht so einfach korrigieren lassen, weil die Information (Erinnerung, Vergleichsbild mit "korrekter" Belichtung,...) fehlt, welche Farbgebung alternativ möglich wäre.
Konkret ist mir das gestern bei Aufnahmen von Grashalmen aufgefallen: Da gibt es auf dem "überbelichteten" Foto Stellen an den Stängeln, die in's Gelbliche gehen. Die sind bei dünkler belichteten Vergleichsfotos grün. Simple Belichtungskorrekturen in Lightroom beseitigen diese Farbverschiebung nicht, ich muss im HSL-Modul die Sättigung von Gelb stark zurücknehmen, um die Halme ähnlich wie bei den Vergleichsfotos aussehen zu lassen. Ich hege außerdem den Verdacht, dass vor allem Blau und rot ebenfalls zu Farbverschiebungen neigen.
Dass Überbelichtungen bei Digitalkameras Farbverschiebungen verursachen können, ist bekannt, ich habe zu diesem Thema allerdings hauptsächlich Artikel älteren Datums im Internet gefunden und weiß natürlich nicht, ob das noch aktuell ist. Zumal zudem davon die Rede ist, dass das dann auftritt, weil einzelne Farbkanäle bei der Überbelichtung geclippt werden - was bei meinen überbelichteten Fotos definitiv nicht der Fall ist (zumindest nicht in dem Kamera-Farbprofil, das ich gewählt habe; normalerweise mein eigenes oder "Camera Standard").
Abschließend noch ein Punkt, der für mich bei ETTR eher nachteilig ist: Durch die deutlich längeren Belichtungszeiten, die dafür notwendig werden können, sind Aufnahmen bewegter Motive - und sei es nur die Natur, wo sich Blätter, Bäume usw. im sanften Wind wiegen - deutlich erschwert.
Zurück zur praktischen Handhabbarkeit von ETTR: Mittlerweile bin ich mehr als unschlüssig, ob ich in Situationen, wo das Histogramm der Kamera über beide Ränder hinausragt, überhaupt noch versuchen soll, die von der Kamera vorgegebene Belichtung nach oben zu korrigieren. Wenn, dann werde ich den Bereich wahrscheinlich stark einschränken und vielleicht lediglich 2-4 Aufnahmen mit 1/3 EV Unterschied machen. Und auch in Situationen, wo das Histogramm schön etwas links der Mitte angeordnet ist, zweifle ich, ob ich es mehr als etwas rechts über die Mitte schieben soll, also den möglichen Bereich bis zur rechten Kante nicht nutzen soll...
Haben andere ähnliche Probleme?
P.S.: Der fehlende Dynamikumfang der Kamerasensoren stellt für mich persönlich irgendwie den Haupt-Hemmschuh dar, gekoppelt mit der fehlenden Fähigkeit dieser Sensoren, den signal-to-noise Pegel (SNR) über alle Tonwerte konstant niedrig halten zu können. Eigentlich ist nur die obere Hälfte des Histogramms hinsichtlich Tonwerten ausreichend nutzbar, das heißt aber, dass praktisch die Hälfte der Sensor-Leistung schlecht nutzbar ist. Die Hälfte von eingeschränkter Dynamik - da bleibt nicht mehr viel. Ich vermute, ein Sensor müsste etwa 30 EV auflösen können, um bei bestehender SNR gut verwendbar zu sein. Besser wäre natürlich, die Dynamik auf "nur" 20 EV anzuheben und dafür die SNR über den gesamten Bereich konstant niedrig zu halten - das wird vermutlich in absehbarer Zeit nicht passieren. Und damit gibt's weiter jede Menge Fotos, auf denen gewaltige Mengen black clipping auftritt, weil man ja die Lichter erhalten möchte...
Ich arbeite ausschließlich mir RAWs, meine Erfahrungen mit ETTR hinsichtlich Rauschunterdrückung sind durchwegs gut: Selbst moderate Verschiebungen der Belichtung um +1/3 EV bringen bei mir in manchen Situationen eine bereits deutliche Reduzierung des Rauschens. In etlichen Fällen ist es für mich möglich, die Belichtung um +2 EV oder sogar mehr zu verschieben, ohne dass das geringste highlight clipping auftreten würde.
Ein Hauptproblem mit ETTR ist für mich die beschränkte Dynamik der Kamerasensoren, die vielfach wenig Spielraum lässt: Oft ist das Histogramm bereits bei der von der Kamera gewählten "korrekten Belichtung" sowohl links als auch rechts beschnitten, eine Verschiebung der Belichtung gestaltet sich dann außerordentlich schwierig (ausgenommen, man will einen bestimmten Bildteil absichtlich aufhellen und nimmt das vollständige clipping größerer Portionen im Bild gewollt in Kauf). Weil keine Kamera die entsprechenden Werkzeuge mitbringt, um ausreichend genaue Einstellungen der Belichtung vornehmen zu können (alles auf RAW-Daten basieren sowie "Zebras" für clippings), ist die Belichtungswahl ein eher problematisches Unterfangen, noch dazu, wenn als unangenemer Nebeneffekt die Kamerasensoren in den dünkleren Bildbereichen immer weniger Tonwerte unterscheiden können und damit das Histogramm möglichst weit in die rechte, hellere Hälfte geschoben werden sollte... Bewegtbilder mit starkem Kontrast sind eigentlich unmöglich "korrekt" fotografierbar, wenn es kein dominantes Bildelement geben soll - das lässt mich schon des Öfteren resignieren...
Aufgrund dieser Umstände mache ich das in der Praxis meist so, dass ich etliche Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen anfertige. Dank dieser Vorgehensweise fällt mir in letzter Zeit vermehrt auf, dass "überbelichtete" Fotos fallweise Farbverschiebungen aufweisen, die sich nicht so einfach korrigieren lassen, weil die Information (Erinnerung, Vergleichsbild mit "korrekter" Belichtung,...) fehlt, welche Farbgebung alternativ möglich wäre.
Konkret ist mir das gestern bei Aufnahmen von Grashalmen aufgefallen: Da gibt es auf dem "überbelichteten" Foto Stellen an den Stängeln, die in's Gelbliche gehen. Die sind bei dünkler belichteten Vergleichsfotos grün. Simple Belichtungskorrekturen in Lightroom beseitigen diese Farbverschiebung nicht, ich muss im HSL-Modul die Sättigung von Gelb stark zurücknehmen, um die Halme ähnlich wie bei den Vergleichsfotos aussehen zu lassen. Ich hege außerdem den Verdacht, dass vor allem Blau und rot ebenfalls zu Farbverschiebungen neigen.
Dass Überbelichtungen bei Digitalkameras Farbverschiebungen verursachen können, ist bekannt, ich habe zu diesem Thema allerdings hauptsächlich Artikel älteren Datums im Internet gefunden und weiß natürlich nicht, ob das noch aktuell ist. Zumal zudem davon die Rede ist, dass das dann auftritt, weil einzelne Farbkanäle bei der Überbelichtung geclippt werden - was bei meinen überbelichteten Fotos definitiv nicht der Fall ist (zumindest nicht in dem Kamera-Farbprofil, das ich gewählt habe; normalerweise mein eigenes oder "Camera Standard").
Abschließend noch ein Punkt, der für mich bei ETTR eher nachteilig ist: Durch die deutlich längeren Belichtungszeiten, die dafür notwendig werden können, sind Aufnahmen bewegter Motive - und sei es nur die Natur, wo sich Blätter, Bäume usw. im sanften Wind wiegen - deutlich erschwert.
Zurück zur praktischen Handhabbarkeit von ETTR: Mittlerweile bin ich mehr als unschlüssig, ob ich in Situationen, wo das Histogramm der Kamera über beide Ränder hinausragt, überhaupt noch versuchen soll, die von der Kamera vorgegebene Belichtung nach oben zu korrigieren. Wenn, dann werde ich den Bereich wahrscheinlich stark einschränken und vielleicht lediglich 2-4 Aufnahmen mit 1/3 EV Unterschied machen. Und auch in Situationen, wo das Histogramm schön etwas links der Mitte angeordnet ist, zweifle ich, ob ich es mehr als etwas rechts über die Mitte schieben soll, also den möglichen Bereich bis zur rechten Kante nicht nutzen soll...
Haben andere ähnliche Probleme?
P.S.: Der fehlende Dynamikumfang der Kamerasensoren stellt für mich persönlich irgendwie den Haupt-Hemmschuh dar, gekoppelt mit der fehlenden Fähigkeit dieser Sensoren, den signal-to-noise Pegel (SNR) über alle Tonwerte konstant niedrig halten zu können. Eigentlich ist nur die obere Hälfte des Histogramms hinsichtlich Tonwerten ausreichend nutzbar, das heißt aber, dass praktisch die Hälfte der Sensor-Leistung schlecht nutzbar ist. Die Hälfte von eingeschränkter Dynamik - da bleibt nicht mehr viel. Ich vermute, ein Sensor müsste etwa 30 EV auflösen können, um bei bestehender SNR gut verwendbar zu sein. Besser wäre natürlich, die Dynamik auf "nur" 20 EV anzuheben und dafür die SNR über den gesamten Bereich konstant niedrig zu halten - das wird vermutlich in absehbarer Zeit nicht passieren. Und damit gibt's weiter jede Menge Fotos, auf denen gewaltige Mengen black clipping auftritt, weil man ja die Lichter erhalten möchte...