videoL hat geschrieben:bevor hier über den Weißabgleich berichtet wurde, hatte ich keine richtigen Probleme damit.
"Probleme" habe ich streng genommen eigentlich auch nicht damit. Der Weißabgleich, genauso wie die Farbgebung etc. des Fotos, ist im Endeffekt eine rein subjektive Angelegenheit des persönlichen Geschmacks, darüber lässt sich daher auch nicht streiten.
Wenn allerdings jemand wie ich Wert darauf legt, einigermaßen bestimmen zu können, wie denn die Farben in Wirklichkeit ungefähr mal ausgesehen haben, dann fangen die "Probleme" erst so richtig an. Nicht, dass ich 100% korrekte Farben brauchen würde, auch ich "entfalte mich fallweise gerne etwas künstlerisch" bei der Bildbearbeitung, um es mal so auszudrücken. Aber ich habe mir inzwischen angewöhnt, zumindest das "Ausgangsbild" so realistisch wie möglich hinzubekommen - rumkünsteln kann ich dann später noch. Deshalb betreibe ich einen ziemlichen Aufwand mit Weißabgleich, kalibrierten wide gamut displays, kalibriertem Drucker, Kamera-Farbprofilen etc. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit all dem Zeug tatsächlich realistischeres "Ausgangsmaterial" für spätere Bearbeitungsschritte bekomme! Für mich persönlich ist es schon ein Unterschied, ob die Farbtemperatur eines Fotos bei 5800 K oder 6200 K liegt... Die ganze Stimmung des Fotos wird anders, die Farben ändern sich teilweise stark. Klar dass das niemanden berührt, dem sowas egal ist.
videoL hat geschrieben:Am letzten Wochenende war ich bei einer Hochzeit und habe 2 Berufsfotografinnen nach dem Weißabgleich gefragt.
Beide waren der Meinung, dass bei den heutigen (neuesten) Kameras der Weißabgleich in der Kamera sehr gut funktioniert.
Muß ja wohl so sein, sonst hätten ja 90% der Hobbyfotos falsche Farben bzw. Farbstiche.
Ich habe inzwischen mit unterschiedlichen Kameras getestet und bin der Meinung, dass AWB grundsätzlich falsche Ergebnisse liefert. Sonderbarerweise liege ich oft wesentlich näher am Original, wenn ich per Hand(!) die Fabtemperatur im jeweiligen Kameramenü ändere und den Kamerabildschirm als Referenz hernehme! Ich behaupte daher, dass alle(!) mit AWB gemachten Fotos, egal mit welchem Apparat, falsche Farbtemperaturwerte haben (d.h. Werte, die von denen der Originalszenerie abweichen) - und die sind meiner Meinung nach noch dazu recht beträchtlich!
videoL hat geschrieben:Die Berufsfotografin, die die Hochzeitsfotos machte, sagte es ist zeitlich garnicht machbar ständig einen Weißabgleich manuell zu machen. In der Kirche, draußen in der Sonne, dann zieht eine Wolke vor die Sonne, da wechselt ständig die Farbtemperatur und da wählt sie die Standardeinstellungen. Anders bei Aufnahmen, wo sich das Licht nicht ändert (z.B. Studio), bzw. Zeit ist. Da nimmt sie eine Graukarte.
Vollkommen richtig! Nachdem AWB unzuverlässig ist, muss man eben einen Kompromiss eingehen, wenn keine Zeit bleibt, einen manuellen Weißabgleich vorzunehmen. Mir ist schleierhaft, warum AWB nicht korrekter arbeitet... Das mit der fehlenden Zeit ist ein Grundübel beim Fotografieren, zumindest für mich
videoL hat geschrieben:Interresant war, dass sie bei Fotos mit einer Graukarte, bei Videos aber mit einer weißen Fläche den Weißabgleich vor nimmt. Beide waren sich einig, dass immer noch etwas am PC machbar ist.
Die Meinungen gehen weit auseinander bei der Frage, mit welcher "Farbe" Neutralgrau bestimmt werden soll. Viele behaupten, mit einer sog. "Weißkarte", also einer weißen Kunststoffkarte, wäre das am Besten möglich. Muss also nicht 18% Grau sein... Warum die Fotografin die Karten wechselt, kann ich freilich auch nicht sagen...
videoL hat geschrieben:Trotz aller Links hier im Forum habe ich keinen Vergleich der Art des ausgeführten Weißabgleichs gefunden. Oder habe ich einen Link übersehen ?
Mich würden schon Fotos vom gleichen Motiv, zur gleichen Zeit mit verschiedenen Weißabgleichsmethoden aufgenommen, im direkten Vergleich interessieren.
Teilweise sieht man da schon recht starke Unterschiede, glaub mir. Fotos hab' ich leider keine (und auch leider keine Zeit, sowas rasch mal anzufertigen, ich bin vollends beschäftigt, 7 Fotos für ein HDR Bild vorzubereiten und brauche endlos, um das Rauschen wegzubekommen

)...
videoL hat geschrieben:Ab wieviel Kelvin kann das menschliche Auge überhaupt Unterschiede wahrmehmen ?
Ist wahrscheinlich individuell verschieden, ein "Referenzauge" besitzen wohl nur die Wenigsten
videoL hat geschrieben:Jeder Fernseher / Monitor im Bekannten- und Verwandtenkreis ist anders eingestellt. Aber jeder findet seine Einstellung optimal.
Da ist wieder der subjektive Geschmack im Spiel. Farbkalibriert ist kein Fernseher/Monitor, den Otto Normalverbraucher daheim stehen hat...
videoL hat geschrieben:Ich glaube zwischen persönlichem Farbempfinden und meßtechnisch idealen Farbwerten liegt das eigentliche Problem.
So isses, "Problem" würde ich das (s.o.) aber nicht unbedingt nennen...
videoL hat geschrieben:Wie würde das gehen ?
Ich kaufe mir ein Spektralphotometer "CM-2600d" - portabel und messe z.B. 5220 K. Wie kann ich dann welche Kamera entsprechend einstellen ? Gehe ich dann auf Tageslicht, liege ich für viel Geld wahrscheinlich um +280 K falsch.
Normalerweise kann man der Kamera den Wert der Farbtemperatur in einem Einstellungsmenü bekanntgeben... Ob das für JPEGs dann aber auch richtig umgesetzt wird, weiß ich nicht. Bei RAWs reicht's, wenn dieser Wert in den Metadaten drinsteht, den Rest macht sowieso die Bildbearbeitungssoftware...
videoL hat geschrieben:Zum Weißabgleich fällt mir als Vergleich noch Folgendes ein.
Bei sehr teuren Hi-Fi- Anlagen gab es mal ein Ozilloskop im Lieferumfang zum Einstellen dazu, damit man sehen konnte wie gut die Anlage ist bzw. was man hören könnte wenn man es wahrnehmen würde. Wer hört schon einen Ton von 18000 Hz ? Mir muß der Klang gefallen, egal welcher Meßwert angezeigt wird.
Da sind wir wieder am Ausgangspunkt, wichtig ist, ob's gefällt, und zwar subjektiv und individuell

. Deshalb hab' ich nach wie vor einen Equalizer...
Frohes Fotografieren euch allen!