Einen auf dicke Linse machen mit Photoshop

Alles rund um Hard- und Software, die man zur Bildbearbeitung benötigt.
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Wolfgang B.
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Einen auf dicke Linse machen mit Photoshop

Beitrag von Wolfgang B. » Samstag 8. September 2018, 09:43

Was tun, wenn das neue (alte) h.zuiko F1,2 42 mm zwar seit einer Woche auf dem Schreibtisch liegt, aber der passende Adapter immer noch zwischen Hongkong und Frankfurt unterwegs ist?
Was tun, wenn das Oly 1,8/45 mm zusammen mit der Ehefrau unterwegs ist und das 1,8/75 mm zu lang ist?
Na, dann muss man die Freistellung eben mit einem, der zur Verfügung stehenden Linsen mit Blende 2,8 versuchen. - Leider klappt das meistens nicht so, wie es sich der Fotograf vorgestellt hat.

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comp_Weltkugelbrunnen von Joachim Schmettau (1983) 48 roh (P1040714).jpg
comp_Weltkugelbrunnen von Joachim Schmettau (1983) 48 roh (P1040714).jpg (311.66 KiB) 402 mal betrachtet
Glücklicher Weise hat man ja auch einen Phoshop, mit dem man durchaus gut aber ineffizient freistellen kann.
Dazu erstelle ich aus Gewohnheit und aus Gründen der Sicherheit zunächst eine Kopie der Hintergrundebene und arbeite mit dieser neuen Ebene weiter.
Jetzt muss das, was später nicht bearbeitet werden soll mit dem Schnellauswahlwerkzeug ausgewählt werden (Zauberstab, magnetisches oder Polygonlasso gehen je nach Ausgangslage auch).
Dazu gehe ich auf die 100%-Darstellung und fahre mit dem Schnellauswahlwerkzeug die Konturen ab. Wenn das Werkzeug über das Ziel hinausschießt, kann man Bildteile durch gleichzeitiges Drücken der alt-Taste wieder aus der Auswahl herausnehmen.

Wenn man halbwegs zufrieden ist, sollte man die Auswahl, z.B. als "Auswahl 01" in einem Alphakanal speichern.

Nun ist die Feinarbeit angesagt.
Dazu wechsele ich in den Maskierungsmodus und gehe auf 150-200% - Darstellung. Die Bildteile, die ausgewählt sind, erscheinen nun transparent, während der Rest mit einer halbtransparenten roten Farbe maskiert ist. Die rote Farbe hat historische Gründe, weil die Retuscheure in analogen Zeiten des Offset mit rotem (Siegel-)Lack auf den Druckplatten retuschiert haben. Dort, wo der rote Lack aufgetragen war, nahm die Druckplatte oder der Druckzylinder keine Farbe an.
Mit einem feinen Pinsel können wir nun im Maskierungsmodus nach Herzenslust malen und die Feinarbeit bewerkstelligen. Wählt man schwarz in der Farbauswahl, wird roter Siegellack aufgetragen, bei weiß wird er wegradiert.
Je nach Vorlage kann das dauern, bis man vollends zufrieden ist und den Maskierungsmodus wieder verlassen kann. (Ich bin da meist sehr akribisch)

Jetzt wäre es an der Zeit die Feinmaske als z.B. "Maske 02" in einem neuen Alfakanal abzuspeichern, denn jetzt wird es spannend:
Im Fall des obigen Bildes sollte der komplette Hintergrund, also alles das, was nicht zum Geländer gehört, ausgewählt sein. Das wir möglicherweise nicht der Fall sein, weshalb wir noch den Befehl "Auswahl umkehren" ausführen müssen.

Jetzt geht es daran, den kompletten Hintergrund weichzuzeichnen. Photoshop bietet dazu eine Menge an Weichzeichnungsfiltern an. Ich nehme aber grundsätzlich den "Tilt-Shift-Filter aus der Weichzeichnungsgalerie.
Der Grund hierfür liegt darin, dass ein gleichförmig weichgezeichneter Hintergrund vollkommen unnatürlich wirken würde. In der Regel (so auch hier) ist es so, dass sich die Basis des Objektes im unteren Bereich auf der selben Schärfeebene befindet, wie das freizustellende Objekt. Der Hintergrund öffnet sich in vielen Fällen zunehmend und sollte auch zunehmend stärker weichgezeichnet sein.
Ich verschiebe also die Mittellinie des Tilt-Shift-Filters auf die Basis des Objekts im unteren Bildbereich und ziehe die obere Hilfslinie, ab der die Weichzeichnung dann beginnt, etwas nach oben an eine geeignete Stelle.
Das Ergebnis kann man sich schon in der Vorschau anschauen. Und dann:
Voila, so sieht es danach aus.
comp_Weltkugelbrunnen von Joachim Schmettau (1983) 48 (P1040714).jpg
comp_Weltkugelbrunnen von Joachim Schmettau (1983) 48 (P1040714).jpg (234.25 KiB) 402 mal betrachtet
Nicht schlecht für den Anfang, aber man sollte auch noch diese störende gelbe Fläche auf der rechten Seite wegmachen. (Heute habe ich aber keine Lust dazu)

Beste Grüße, Wolfgang
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Re: Einen auf dicke Linse machen mit Photoshop

Beitrag von Jock-l » Samstag 8. September 2018, 10:56

... das ist eine Möglichkeit- die Dinge gehen leichter von der Hand, wenn in der Fotografie wenigstens ein Teil bereits angelegt wird, also Offenblende oder, wenn es sich um gekrümmte Flächen handelt, nahe dran bleibend die Aufnahme erledigen und dann maskieren etc.
Kniffliger wird es wenn man dazu übergeht, in mehreren Ebenen zu denken und zu arbeiten- dann ist das nicht mehr nur Vordergrund und Hintergrund, sondern kann in Vorder-Mittel-und Hintergrund enden... Das ist aufwendiges Arbeiten, aber der Lohn steht anschl. über Allem ;)

Schöne Idee und ansprechend präsentiert !
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Mehr Lametta ist da nicht :lol:

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Re: Einen auf dicke Linse machen mit Photoshop

Beitrag von piet » Samstag 8. September 2018, 10:59

moin Wolfgang,
das ist dir, auch in der Tiefenstaffelung, hervorragend gelungen.
Aber mal die Frage........wie lange hast Du für das Ergebnis gewerkelt?

Ich hätte meine Frau mit dem passenden Objektiv zurück beordert! ;)
Gruß Piet
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Re: Einen auf dicke Linse machen mit Photoshop

Beitrag von Harry53 » Samstag 8. September 2018, 12:56

Moin Wolfgang,
Sehr gute Anleitung. Ich probieren das auch mal aus.
Gruß Harry
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Re: Einen auf dicke Linse machen mit Photoshop

Beitrag von Wolfgang B. » Sonntag 9. September 2018, 07:49

Vielen Dank an alle fürs Reinschauen und Kommentieren.

@Jock-I: Ja bei mehreren Ebenen wird es arg kompliziert und der Zeitaufwand steigt überproportional.

@piet: Naja, etwas mehr als zwei Stunden habe ich wohl gebraucht. Mit einer anderen Linse wäre es schneller gegangen ;)
Die Frau zurückbeordern ging nicht. Die hat gerade andere Präferenzen und steht vor dem Glacier Nationalpark in Britisch Kolumbien, der aber wegen Waldbrandgefahr geschlossen ist. :cry:

@Harry: Viel Spaß beim Ausprobieren

Beste Grüße, Wolfgang
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