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Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 11:04
von bilderknipser
Ich hoffe, daß die Frage hier halbwegs richtig ist, weil sie sich ja nicht auf eine konkrete Kamera bezieht.
Da ich meine G5 in absehbarer Zeit "updaten" will, habe ich Reviews zur G7 gelesen, und dabei ist mir bei Depreview etwas untergekommen. Dort wird empfohlen, gegebenenfalls bis zu 3 Stufen unterzubelichten und dann aufzuhellen - also Aufnahme mit ISO 200 statt 1600, wodurch in den Schatten keine nennenswerten Verluste auftreten sollen aber die Lichter besser durchgezeichnet sind.
Im Prinzip kann ich das verstehen, aber wie muß ich mir das in der Praxis vorstellen? Wenn ich die Belichtungskorrektur auf -3 stelle, dann wird es im Sucher doch stockdunkel. Man kann das zwar, glaube ich, abstellen, aber dann verliert man die Kontrolle für gezielte Über- oder Unterbelichtung.
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 11:10
von Binärius
Genau das Gegenteil ist richtig.
Google mal nach Exposure to the right (ETTR).
Auch hier im Forum wirst du fündig.
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 11:33
von basaltfreund
ja, es ist so wie Jens schreibt!
Das ist hier schön erklärt:
http://www.traumflieger.de/desktop/raw/raw_start.php" onclick="window.open(this.href);return false;
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 13:46
von bilderknipser
hmm seltsam, daß es bei depreview genau andersrum steht mit Bildbeispielen. Aber vielleicht ist das ja auch nur mit der internen RAW-Bearbeitung der G7/G70 möglich.
Aber mein Problem dazu bleibt: ich habe doch auch bei Überbelichtung kein vernünftiges Sucherbild, oder?
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 13:57
von jessig1
Hallo,
ob gewollte Über- oder Unterbelichtung mehr Reserve bietet ist im www umstritten und es gibt für beide Meinungen genügend Argumente.
Mein Fazit daraus ist, daß es wohl nicht unerheblich von der Kamera und deren RAWFormat abhängig ist.
Eine Kaufentscheidung würde ich davon nicht abhängig machen.
Wenn du deine Neue dann hast kannst du ja austesten welche Methode dir die besseren Ergebnisse leifert.
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 14:03
von Horka
Ich sehe keinen Gegensatz.
Bei ETTR wird in der Regel geringer belichtet, als der Belichtungsmesser anzeigt, also unterbelichtet. Meist müssen dann die Tiefen aufgehellt werden.
Horst
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 14:27
von emeise
Horka hat geschrieben:Ich sehe keinen Gegensatz.
Bei ETTR wird in der Regel geringer belichtet, als der Belichtungsmesser anzeigt, also unterbelichtet. Meist müssen dann die Tiefen aufgehellt werden.
Horst
ETTR steht für ' exposure to the right ' und damit ist die rechte Histogramm-Seite gemeint, also etwas länger belichten, überbelichten.
Jedoch darf die rechte Grenze nicht überschritten werden.
Die Methode ist umstritten, weil die Farbkanäle ' ihr eigenes Ding ' machen können. Die Farbkanäle sieht man im Histogramm nicht.
Je nach Kamera ist die Histogramm-Anzeige auch nicht das Gelbe vom Ei und RAW soll es jedenfalls auch sein !
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 14:48
von Lenno
Bilderknipser spricht hier von einem Bericht wo das Gegenteil behauptet wird, also ETTL (Exposure to the left) das gibt es auch,
und macht dann Sinn wenn man sehr helle Bereiche richtig durchzeichnet haben will. Die Konsequenz daraus ist, das man dann
die dunklen Anteile aber wieder nachträglich aufhellen muss, was man bei Raw ja machen kann, aber meist erkauft man sich dadurch
dann Bildrauschen.
Doch man kann nicht alles haben. Wenn einem vom Motiv her die hellsten Stellen besonders wichtig sind, dann kann man das so machen.
Wenn man mit etwas geclippten Lichtern leben kann, weil es das Gesamtmotiv nicht beeinträchtigt, würde ich aber doch so viel wie möglich
den Sensor im Histogramm nach rechts belichten da dort die meisten Tonwertabstufungen gespeichert werden. Sich also die meisten Bildinformationen befinden.
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 14:48
von Horka
Das alte Dilemma mit den Begriffen.
Wenn ich bei hohem Kontrast nach den Lichtern belichte, belichte ich das Bild bei ETTR unter, damit sie nicht ausfressen. Das ist genau, was der Bilderknipser will.
Bei Normalkontrast sieht es mit nach Rechts belichten anders aus, aber das ist nicht das Thema hier.
Die Sucherhelligkeit, bilderknipser ist kein Problem. Du wirst, wenn Du überhaupt unterbelichtest, ganz selten bis zu drei Stufen gehen, in der Regel werden es eine, vielleicht zwei Blenden sein. Der Sucher ist dann noch hell genug, dass Du genug erkennen kannst. Und Du musst ja mit dem dunklen Sucher arbeiten (wenn Du nicht nach Histogramm belichtest) damit Du erkennst, wann die Lichter durchgezeichnet sind. Du willst ja nicht einfach aus Prinzip und nach Zahlen anders belichten, sondern im Sucher die Wirkung beurteilen.
Horst
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 16:20
von Wolfgang B.
Hallo Bilderknipser,
um sicher zu gehen, dass Du nicht zu dubnkel belichtet hast und Dir hinterher die Tiefen zulaufen, würde ich auf jeden Fall eine Belichtungsreihe starten. Entweder mit der "Auto-Bracketing"-Funktion oder noch besser, manuell. - Ein zusätzliches Foto kostet ja heutzutage nichts mehr
In der manuellen Variante hast Du von vorn herein eine bessere Kontrolle.
Liebe Grüße, Wolfgang
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 17:31
von bilderknipser
Lenno hat geschrieben:macht dann Sinn wenn man sehr helle Bereiche richtig durchzeichnet haben will. Die Konsequenz daraus ist, das man dann
die dunklen Anteile aber wieder nachträglich aufhellen muss, was man bei Raw ja machen kann, aber meist erkauft man sich dadurch
dann Bildrauschen.
Genau auf das Bildrauschen nach dem Aufhellen bezogen sich die Beispielbilder, wo der Autor bei 200 +3EV kaum anderes Rauschen als bei 1600 sieht.
Aber abgesehen davon geht es mir nicht grundsätzlich um die beste theoretisch erreichbare Belichtung, die je nach Motiv sicher variieren kann und auch nach Geschmack. Meine Frage geht dahin, wie sieht die Sache denn in der praktischen Handhabung aus? Wenn ich bei der Aufnahme 2 oder 3 Lichtwerte + oder - einstelle, dann wird mein Sucherbild praktisch unbrauchbar. Offenbar ist das aber nötig, oder habe ich da was falsch verstanden oder muß ich die Funktionalität abschalten, daß ich im Sucher Korrekturen direkt beurteilen kann. Das wäre für mich no-go, da ich das regelmäßig benutze.
Ok, mit Bracketing in schwierigen Situationen ist das machbar, aber ich will ja nicht immer Bracketing machen. Da schließt sich gleich meine nächste Frage an. Wenn ich -1 einstelle und dann eine Belichtungsreihe mache, wird die dann z.B. -3 -2 -1 0 +1 - also um meine Korrektur rum belichtet, was ich sehr vernünftig fände?
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 18:47
von Lenno
Also beim Raw kann man locker 1,5 Blenden Überbelichtung locker mit dem Lichterregler wiederherstellen. (Sofern sie nicht vollends geclippt sind)
Hier mal zwei Beispiel Raws:
https://www.dropbox.com/sh/7wjy1z2dinmq ... fSx_a?dl=0
Versuch mal bei einem Raw den helleren oberen Teil wieder herzustellen und beim anderen die dunklere untere Hälfte aufzuhellen.
Für was entscheidest du dich?
Je nach Kamera ist eventuell noch mehr Spielraum drin.
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 20:09
von available
bilderknipser hat geschrieben:Ich hoffe, daß die Frage hier halbwegs richtig ist, weil sie sich ja nicht auf eine konkrete Kamera bezieht.
Da ich meine G5 in absehbarer Zeit "updaten" will, habe ich Reviews zur G7 gelesen, und dabei ist mir bei Depreview etwas untergekommen. Dort wird empfohlen, gegebenenfalls bis zu 3 Stufen unterzubelichten und dann aufzuhellen - also Aufnahme mit ISO 200 statt 1600, wodurch in den Schatten keine nennenswerten Verluste auftreten sollen aber die Lichter besser durchgezeichnet sind.
Im Prinzip kann ich das verstehen, aber wie muß ich mir das in der Praxis vorstellen? Wenn ich die Belichtungskorrektur auf -3 stelle, dann wird es im Sucher doch stockdunkel. Man kann das zwar, glaube ich, abstellen, aber dann verliert man die Kontrolle für gezielte Über- oder Unterbelichtung.
Naja, ich fürchte da hat jemand die Materie nicht so ganz verstanden.
Generell sind:
1. die Lichter kritischer als die Schatten und
2. in den Lichtern mehr Informationen.
D.h. wenn die Lichter gerade noch Zeichnung enthalten sollen, sollte man diese gerade noch ermöglichen und das nennt man dann ETTR. Der kritsche Farbkanal schlägt rechts an,clippt jedoch gerade nicht.
Überbelichtet ist das also nichts. Es wurde dem Sensor lediglich so viel wie möglich Licht zur Verfügung gestellt um den Signal/Rauschabstand zu optimieren.
Der Vorteil ist der, dass die Schatten soviel wie möglich Licht erhalten und somit im Nachhinein nicht unnötig in Verbindung mit erhöhtem Rauschen hochgezogen werden müssen.
Wenn man weiß wie Belichtung funktioniert und der Dynamikumfang des Motives dem des Sensors entspricht kann man das ohne Nachberarbeitung OOC machen.
Der Sucher macht bei dem nach rechts belichten übrigens keine Probleme.
Tut mir leid, ETTL ist vollkommener Quatsch.
Viele Grüße
Andreas
Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 20:22
von Lenno
Das ist fast wie: "Ist das Glas halb voll oder halb leer."

Re: Unterbelichten und nachher Aufhellen
Verfasst: Dienstag 28. Juli 2015, 20:25
von Lenno
Ich glaube fast das der Bilderknipser einen Bericht gelesen hat der von einem ehemaligen Dia-Fotograf
verfasst wurde. Dort hat man wohl eher auf die Lichter geachtet, da das Dia das Endprodukt für gewöhnlich war,
falls es nachher noch Vergrößert wurde, wurden die Schatten aufgehellt, beim Diamaterial auch kein Problem.
Da war genug Spielraum.
Beim digitalen Foto gibts da leider Rauschen.