ThomasT hat geschrieben:ahinterl hat geschrieben:
Ich denke mal, das trifft dann zu, wenn nicht nachbearbeitet wird. Solange kein white clipping auftritt, kann ich die Histogramm-Kurve selbst beim extremen Mond-Beispiel mittels Belichtungskorrektur weit nach Rechts verschieben ("ETTR"

). Korrigiert wird dann später.
Genau das meinte ich aber. Hier verschiebst du geg. den Nachthimmel nach rechts. Der (Wolken, Sterne, Dinge im Vordergrund etc.) wird sicher tolle Zeichnung haben. Aber der Mond oder andere kleine (== wenige Pixel, geringer Histogrammausschlag) Lichter werden noch mehr geclippt.
Hat man ja schon im Historgramm bei der "Entwicklung". Man denkt, rechts ist noch viel Luft, aber dann ist das ein oder andere helle Detail geclippt, obwohl es eigentlich noch Zeichnung hatte.
Histogramm als Hilfmittel ja, aber Photographieren ausschliessich nach Histogramm würde ich nicht machen.
Da hast du recht, wenn du davon ausgehst, dass das Foto schon korrekt aus der Kamera kommen und nicht nachbearbeitet werden soll (meiner Schätzung nach ist das die Erwartungshaltung der überwältigenden Mehrheit aller Fotografierenden).
Wenn du aber, so wie ich, Wert auf Bildqualität legst und so Viel wie möglich aus der Kamera und dem Foto herausholen willst, beachtest du das Histogramm und die "expose to the right" Methode

Im Nachfolgenden setze ich voraus, dass in RAW fotografiert wird.
Es ist schon ganz richtig, dass die Zeichnung des Mondes auf dunklem Hintergrund verlorengeht - aber nur auf dem Ausgabemedium, auf dem du das Bild ansiehst, also das (minderwertige) Display der Kamera. In den RAW-Daten ist die Fülle an vorhandenen Daten freilich wesentlich größer, das siehst du nur auf keinem Display oder Bildschirm. Lediglich das Histogramm gibt dir eine Vorstellung davon, wie die Belichtungsverteilung der
gesamten Daten aussieht, inklusive des großen Bereichs, den du auf keinem Bildschirm der Welt sehen kannst. Meine G3 hat ca. 10 EV Dynamikbereich (
http://www.dxomark.com/index.php/Camera ... mix-DMC-G3), Bildschirme liegen weit darunter und sind gar nicht in der Lage, das darzustellen, was du am Histogramm der Kamera siehst.
Wenn du die Belichtungskorrektur so veränderst, dass der helle Bereich des Histogramms (d.h. der "Berg", der den Mond darstellt (der ist hell, daher der "Berg", alles Andere, der Hintergrund, ist ja dunkel)) so weit wie möglich zum rechten Rand verschoben wird, erreichst du Folgendes:
- Solange der "Berg" im Diagramm nicht (teilweise) rechts aus dem Histogramm geschoben wird, wird auch nichts geclippt, da muss ich dir widersprechen.
- Kamera-Sensoren arbeiten linear, d.h. im ersten, obersten f-stop sind 50% der Lichtwerte enthalten; nach Unten hin nimmt das für jeden f-stop um die Hälfte ab, verteilt sich also logarithmisch. In anderen Worten: Im obersten Teil des Histogramms ist der Sensor in der Lage, 50% aller Lichtwert-Informationen aufzunehmen. Je weiter unten (links im Histogramm, in den dunklen Bereichen), desto weniger Lichtwert-Information kann gespeichert werden. Je mehr Information das Histogramm deshalb rechts beinhaltet, desto besser, desto weniger Information geht verloren. Wenn ich also im ersten f-stop angenommen 256/2=128 bit Lichtwert-Information habe, hat der nächste f-stop lediglich 256/2/2=64 bit, der nächste dann nur mehr 256/2/2/2=32 bit usw., für den letzten f-stop bleibt dann also fast nichts mehr an Informationsgehalt übrig.
Warum ist das wichtig? Wenn das Bild nachbearbeitet wird, ist es logischerweise leichter, mit vielen Informationen arbeiten zu können als mit nur ganz wenigen. Je mehr Lichtwert-Information das Foto also enthält, desto besser für eine Nachbearbeitung, also tunlichst zusehen, dass so viel wie möglich im rechten Bereich des Histogramms zu liegen kommt: "expose to the right".
Kuckst du auch hier: http://www.luminous-landscape.com/tutor ... ight.shtml.
- Die Signal to noise ratio ist in den hellen Bereichen des Histogramms am besten, d.h. je mehr Licht auf den Sensor fällt, desto weniger rauscht er. Wenn also wie oben "expose to the right" gemacht wird, wird auch ein Großteil des Rauschproblems vermieden.
So aufgenommene Fotos sehen auf den ersten Blick am Display oder Bildschirm in den meisten Fällen völlig überbelichtet aus. Sind sie aber nicht, alle Informationen sind in den Bilddateien vorhanden, der Bildschirm kann das ohne Zutun nur nicht darstellen! Dieses Problem ist das gleiche, das man auch bei der HDR-Fotografie hat: Es gilt, die nicht darstellbaren Bereiche der Bildinformation (Tonwerte) in den sichtbaren zu verschieben. Bei HDR-Fotografie ist das schwieriger als in unserem Mond-Beispiel, weil da mit viel mehr EV-Stufen gearbeitet wird als denen, die die Kamera bei einem einzigen Foto liefert. Da sind dann weite Teile der Bildinformation sowohl rechts als auch links weit außerhalb des Bereichs, das ein Bildschirm abdecken kann. In unserem Fall ist das nicht so krass. Die Zeichnung des Mondes wird also in der Bildbearbeitungs-Software einfach wiederhergestellt, indem die nicht darstellbaren Informationen des Fotos mittels geeigneter Einstellregler in den "sichtbaren Bereich" geholt werden, also z.B. durch die Regler von Belichtungskorrektur, Kontrast, "Lichter" u.ä. Für Lightroom würde ich vorrangig diese Regler verwenden: exposure, contrast, whites, highlights. Dadurch sehe ich dann den Mond wieder in seiner vollen Pracht, der Hintergrund bleibt dunkel (kann ebenfalls nachbearbeitet werden), Rauschen wird vermieden, alles in Butter

.
Fotografiere ich hingegen so, wie du meinst, geht ein guter Teil der Lichtwert-Information unnötig verloren und ich handle mir kräftiges Bildrauschen ein (s.o.). Da muss nicht sein. Auf den ersten Blick erscheint diese Methode die bessere zu sein, de facto ist sie es aber nicht. Wenn möglichst viel Qualität aus der digitalen Fotografie herausgeholt werden soll, darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, das das Fotografieren lediglich die Hälfte dessen ist, was für ein gelungenes, qualitativ hochwertiges Bild notwendig ist. Die digitale Nachbearbeitung macht
mindestens genausoviel aus! Die "point and shoot" Methode taugt lediglich für die Betrachtung auf einem durchschnittlichen Bildschirm - das reicht, wie gesagt, freilich für die Meisten völlig aus. Was darüber hinausgeht, erfordert eben andere Techniken.
Aus diesem Grund ist das Kamera-Display für mich lediglich dazu da, mir die wichtigen Kamerainformationen darzustellen und die Bildkomposition zu ermöglichen. Für alles Andere ist das Display völlig untauglich. Weder können Belichtung noch Schärfe oder Farbe korrekt beurteilt werden, genauso wie viele andere Dinge auch. Als Beurteilungsinstrument scheidet das Display für mich vollkommen aus. In der Fliegerei würde man sagen, ich fliege IFR, die Mehrheit aber VFR. Beim IFR-Flug gibt's nur die Instrumente, in meinem Fall die Kameradaten und das Histogramm. Auf's Auge, also das Display, ist kein Verlass.
ThomasT hat geschrieben:Ansonsten stimme ich dir zu. Insbesondere dass viel ausgeklügelte Belichtungssteuerung möglich wäre. Aber idealerweise wäre am besten, wenn man gar keine Belichtungssteuerung mehr bräuchte, sondern immer die volle Dynamik vom tiefsten Nachtschwarz bis gleißender Sonne gleichzeitig möglich wäre. Dann könnte man diesen Prozess in Ruhe beim Bearbeiten machen. Wird aber wohl noch Traum bleiben.
Wird vielleicht irgendwann in Zukunft mal möglich sein. Darstellen lassen sich solche RAW-Fotos dann allerdings auch nirgends (das geht jetzt schon nicht, s.o.), der HDR-Fotografie wäre aber sehr geholfen damit!
Lesenswert:
http://www.luminous-landscape.com/tutor ... sure.shtml
Insgesamt kann man sagen, dass die Bedeutung des Histogramms völlig unterschätzt wird und die Belichtungstechnik moderner Digitalkameras ein Relikt aus vergangenen Zeiten ist, das immer noch mitgeschleppt wird. Technisch wäre Besseres bereits heute möglich.
Frohes Fotografieren!