ich möchte gerne ein paar meiner Eindrücke zur G3 kundtun. Vielleicht interessieren diese Erfahrungen ja den einen oder anderen
Kurz zur mir: Ich fotografiere seit Mitte der 80er Jahre, damals fing alles in der Schule im SW-Labor an. Über eine Praktika (M42) kam ich etwas später durch mein gesamtes Sparbuch zu einer Canon F-1n, die jemand für eine Minolta 9000 verkauft hat. Somit war ich bei Canon und über den Weg T90, EOS 5, EOS 3 , EOS20D, EOS40D bin ich zur 5D Mark II gekommen. Diese Kamera war für mich ein absoluter Meilenstein, da ich damit erstklassige Qualität auch bei großen Abzügen erzielen kann. Ich beteilige mich seit 2000 an internationalen Wettbewerben und Fotosalons, ein gewisser Anspruch an meine Bilder ist also bei Motiven und Qualität gegeben.
Nun wird man nicht jünger (sobald das Alter mit einer 4 beginnt, macht man sich schonmal Gedanken über seinen Rücken...) und nicht nur die Beschränkungen beim Fluggepäck lassen einen manchmal grübeln. Der Fotorucksack mit einigen L Objektiven zur 5DII wiegt meist so 10-12kg, an guten Tagen auch mal mehr. Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem anderen Wettbewerbsfotografen (der schon wirklich viel gewonnen hat), dabei erzählte er mir von seinem Umstieg von Vollformat auf Panasonic. Da ich als gelernter Physiker auch gerne ein bisschen mit Technik spiele, entstand also die Idee mal wieder ein neues Spielzeug auszuprobieren. Seit Juli stand also eine G3 auf dem Schreibtisch...
Natürlich blieb es nicht beim Kitobjektiv, das Oly 9-18 kam recht schnell mit einem Adapter für FD-Objektive und seit kurzem ist auch das Leica 1,4/25 im Rucksack. Nun gab es seit dem Sommer einige Gelegenheiten zum Fotografieren, mal mit dem einen, mal mit dem anderen System.
Kurz zu Canon: Ich finde die 5DII weiterhin sehr gut! Sie hat ein paar kleine Problemchen, die man aber umgehen oder beherrschen kann. Die Ausrüstung ist aber einfach groß und schwer...
Zur G3: Jeder in meinem Fotoclub hat mich erstmal sehr komisch angesehen, als ich die Panasonic zeigte (ich habe sie in ROT, damit wird man garantiert nicht ernst genommen!). Inzwischen schauen manche aber leicht neidisch auf den sehr kleinen Rucksack, den man mit einem Finger locker und lange heben kann. Nach etlichen Ausflügen und Reisen habe ich folgende negativen und positiven Punkte zur G3:
Die Akkuleistung:
KATASTROPHE! Von meiner Canon bin ich 1000 Bilder pro Akku gewohnt. Das sieht bei der G3 ganz anders aus, gerade habe ich mir den 3. Ersatzakku gekauft...
Das Handling:
Manchmal drücke ich irgendwelche Funktionen, die ich gar nicht wollte. Bei einer solch kleinen Kamera sicherlich verständlich, aber doch ärgerlich. Obwohl ich für meine Größe von 1,92 eher schlanke Hände habe, ist die Kamera an der Grenze der Handlichkeit. Dagegen steht natürlich die Größe und das Gewicht als solches auf der Haben-Seite. Außerdem ist das Klapp-Display einfach nur genial und viel besser als jeder Winkelsucher zur klassischen SLR.
HDR und Bracketing:
Ich mache aktuell viele Bilder mit HDR Bearbeitung und war sehr enttäuscht. Canon hat die Beschränkung auf 3 Bilder im Backeting (nur die 1er können mehr), Panasonic bietet 7. ABER: Die Abstufung bei den 7 Bildern liegt bei maximal 1EV, was für HDR viel zu wenig ist. Warum nur wenige Hersteller 2EV Stufen im Bracketing ermöglichen soll mir mal jemand erklären! Durch die 7 Bilder erreiche ich zwar mehr Umfang (+-3EV) als bei meiner Canon mit 3 Bildern (+-2EV), dafür ist das Datenaufkommen mit 7 RAWs enorm, außerdem benötigt die Kamera sehr lange um diese 7 RAWs zu speichern.
Einsatz von älteren Objektiven:
Mein Spieltrieb wollte natürlich sofort wissen, wie meine (noch vorhandenen) alten FD Optiken an der G3 abschneiden. Die FD Objektive konnten bisher nicht wirklich an modernen Digi-SLR verwendet werden, da das Auflagemaß Adapter mit Optik erfordert. Diese Lösungen waren qualitativ sehr schlecht. Ich habe an der G3 ein Sigma 4/8mm Kreisfisheye als Vollformat Fisheye verwendet, dazu ein 1,2/50L als Portraitobjektiv. Die Qualität ist unerwartet sehr gut, die Möglichkeit über die Lupenfunktion im Sucher die Schärfe einzustellen genial!
Der Lieferumfang:
Da ich kein iPad besitze, fand ich es sehr ärgerlich, dass kein Handbuch mitgeliefert wird. Da manche Punkte im Vergleich zu Canon doch sehr unterschiedlich gelöst sind, war für mich nicht alles intuitiv und selbsterklärend. Ich meine, dass ein Drucker für 49,90 oder eine Kompaktkamera für 99,90 mit einer CD geliefert werden können. Eine Kamera für über 500,- hat aber doch noch ein gedrucktes Handbuch verdient.
Die Bildqualität:
Um es kurz zu machen: Schlechter als bei der 5DII, aber sehr gut! So gut, dass ich den Unterschied bei einigen Motiven in 30x45 Abzügen nicht bemerke, wenn man sie im korrekten Abstand ansieht! Die feinen Details sind bei der Vollformat besser, speziell bei höheren ISO. Für Reisefotos und Exkursionen ist der Unterschied aber nicht so groß, dass ich dafür die 5DII weiter schleppen möchte! Bei Portraits kämpfe ich natürlich mit der Schärfentiefe, eine Vollformat mit dem 1,8/85 oder 2,0/135 macht da einfach andere Bilder. Bei Landschaft habe ich dafür ein winziges 9-18 mit toller Qualität...
Fazit:
Für ausgedehnte Shootings (Mode, Portrait, Studio) möchte ich weiterhin ein größeres "Arbeitsgerät" in der Hand haben (evtl. auch mit Hochformatgriff). Für die Reise, Ausflüge und kleinere Aktionen wird aber in Zukunft die Panasonicausrüstung mein ständiger Begleiter sein. Wenn ich mich für eine von beiden entscheiden müsste, hätte ich aber ein richtiges Problem, dafür sind die Kameras zu unterschiedlich und meine Interessen zu vielseitig. Wenn aber bei Panasonic noch etwas weiterentwickelt wird (eine GH3 mit den angekündigten lichtstarken X-Objektiven), wer weiss...
Auf jeden Fall habe ich viel Spaß mit der Kamera und schon viele gute Bilder. Frei nach der älteren Canon-Werbung: Geh spielen...
Reinhard Becker